"Schneenotstand"

Dutzende Tote in Europa ++ USA: Lage entspannt sich

Ausland
21.12.2009 08:30
Schneestürme und klirrende Kälte haben am letzten Wochenende vor Weihnachten in ganz Europa für Chaos gesorgt. Allein in Polen erfroren 42 Menschen, insgesamt kamen durch Kälte und witterungsbedingte Unfälle mindestens 49 Menschen ums Leben. Indes entspannt sich die Situation in den USA nach den schwersten Winterstürmen seit Jahren langsam wieder.

New York City kam mit einem blauen Auge davon: Trotz Schneehöhen von bis zu 40 Zentimeter stellten die U-Bahnen, Busse und Vorortzüge ihren Verkehr nicht ein. Nachdem alle drei New Yorker Flughäfen am Samstagabend wegen des dichten Schneetreibens ihren Betrieb eingestellt hatten, blieb es gespenstisch still am Himmel der 15-Millionen-Metropole.

"Schneenotstand" in mehreren US-Staaten
In die an die Hauptstadt Washington angrenzenden US-Staaten Virginia und Maryland ging nach 24-stündigem Schneefall zunächst nichts mehr. Tausende Autofahrer strandeten auf den Straßen und mussten von Rettungsmannschaften in Notunterkünfte gebracht werden, der Flugverkehr brach am Wochenende weitgehend zusammen. Für Washington, Virginia, West Virginia, Delaware, Philadelphia (Pennsylvania) und Boston (Massachusetts) wurde der "Schneenotstand" ausgerufen.

Im Süden der Neuengland-Staaten fielen bis Sonntagabend stellenweise bis zu 60 Zentimeter Neuschnee. An manchen Orten waren die heftigsten Schneefälle erwartet worden, die jemals an einem Dezember-Tag gemessen wurden. Nach Medienberichten gab es Tausende Unfälle auf glatten Straßen, vor allem in den besonders hart betroffenen ländlichen Staaten Virginia und West Virginia. Hier halfen bis zu 1.000 Nationalgardisten dabei, Menschen aus ihren steckengebliebenen Fahrzeugen zu befreien.

In entlegenen Landstrichen saßen manche Autofahrer mehr als einen Tag lang fest. Die Einsatzkräfte kamen vielerorts über Stunden den eingehenden Notrufen nicht mehr nach. Insgesamt starben bis zum Sonntag fünf Menschen infolge der Schneefälle, vier davon im Straßenverkehr, einer vermutlich durch Unterkühlung.

Zweistellige Minusgrade in Deutschland
Euch Europa hatte der Winter am Wochenende fest im Griff. Unseren Nachbarn Deutschland suchte die Eiseskälte mit oft höheren zweistelligen Minusgraden heim - am Funtensee in Bayern herrschten -33,6 Grad. Fast überall liegt Schnee. Auf glatten Straßen kam es zu weit mehr als Tausend Unfällen mit vielen Verletzten und mindestens zwei Toten. 

Zwischen Frankreich und England führte eine Pannenserie beim Eurostar-Zug dazu, dass im Tunnel unter dem Ärmelkanal Reisende einen Albtraum durchlitten und bis zu 15 Stunden brauchten, ehe sie in London ankamen. Vier Schnellzüge steckten fest, ein fünfter kroch nur langsam durch die Röhre, wie ein Eurostar-Sprecher sagte. Am Samstagabend wurde der Verkehr dann komplett eingestellt (siehe Infobox).

Kältetote in Polen und der Ukraine
In Polen sind am Wochenende 42 Menschen erfroren. Polizeisprecherin Grazyna Puchalska teilte am Montag in Warschau mit, allein am Sonntag habe es bei Temperaturen von minus 20 Grad 21 Todesfälle gegeben. Am Freitag waren bereits sechs und am Samstag 15 Kältetote gezählt worden. Seit Beginn des Winters erhöhte sich die Zahl damit auf 69. Die meisten Kältetoten sind Männer zwischen 35 und 50 Jahren, die obdachlos sind und unter Alkoholeinfluss erfrieren.

In der Ukraine erfroren in den vergangenen Tagen 27 Menschen. 465 weitere erlitten schwere Erfrierungen, wie die Behörden am Montag mitteilten. Landesweit wurden Flughäfen wegen der starken Schneefälle gesperrt, auch mehrere Häfen am Fluss Dnjestr sowie am Schwarzen Meer konnten nicht mehr angelaufen werden. In der westukrainischen Stadt Lemberg sowie in Donezk im Osten des Landes blieben drei Züge stecken. Auch in der russischen Hauptstadt Moskau kam es zum Verkehrschaos: Es bildeten sich Staus mit einer Gesamtlänge von 1.700 Kilometern. Das entspricht der Strecke von Hamburg nach Rom.

Eis und Schnee haben auch Italien immer stärker im Griff. Die Fährverbindungen zu den Äolischen Inseln im Süden blieben am Samstag eingestellt. Selbst die Insel Sizilien richtete sich auf Schnee in höheren Lagen ein. Auch die Lagunenstadt Venedig erwachte unter einer Schneedecke.

Drei Todesopfer auch in Österreich

Auch in Österreich haben die eisigen Temperaturen am Wochenende die ersten Kältetoten dieser Wintersaison gefordert. Ein 43-jähriger Installateur aus der Oststeiermark ist auf dem Heimweg von einer Diskothek erfroren, ebenso ein 19-jähriger Südsteirer, und im Pongau erfror ein 59-Jähriger nach einem Gasthausbesuch.
Mehr dazu findest du in der Infobox!
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