In 700 Metern Tiefe

Chile: Schlachtfeld-Medizin und Fußball für die Kumpel

Ausland
09.09.2010 09:59
Seit über einem Monat sitzen die 33 Bergleute in Chile in einer Tiefe von 700 Metern fest. Rund um die Uhr arbeiten Rettungskräfte daran, die Kumpel aus ihrer Lage zu befreien – doch die Rettungsaktion kann sich noch bis November oder sogar Dezember hinziehen und ist nicht ungefährlich. Deshalb werden die Männer nun in Schlachtfeld-Medizin ausgebildet. Ein Highlight unter Tage – und vielleicht sogar ein kleines bisschen Normalität – wurde den Männern am Dienstag ermöglicht: Sie konnten das Freundschaftsspiel zwischen Chile und der Ukraine verfolgen (Bild rechts oben).

Ermöglicht wurde diese knapp zweistündige Freude mittels eines Glasfaserkabels und eines kleinen Projektors, der die Bilder an eine Wand der Mine projizierte und der zuvor durch einen Versorgungsschacht zu den Männern hinuntergelassen worden war. Zwar verlor das chilenische Team 1:2, doch den Bergleuten machte dies nicht allzu viel aus. Zu groß war die Freude über die Abwechslung unter Tage.

Unter den seit 5. August in der Kupfer- und Goldmine in Copiapo verschütteten Kumpeln befindet sich – wie berichtet – auch der chilenische Ex-Fußball-Profi Franklin Lobos Ramirez. Der heute 53-Jährige spielte in seiner aktiven Zeit für chilenische Erstliga-Klubs und auch für die "La Roja", die Nationalmannschaft des südamerikanischen Landes. Er freute sich wohl besonders über die Übertragung des Spiels.

Ausbildung in Schlachtfeld-Medizin
Doch den Männern ist der Ernst ihrer Lage natürlich weiterhin bewusst. Wie gefährlich es werden kann, beweist die Tatsache, dass die Kumpel sich nun mit einer Ausbildung in Schlachtfeld-Medizin für Notfälle bei den Rettungsarbeiten wappnen sollen (links im Bild ein chilenischer Soldat mit einem medizinischen Element). Drei oder vier der Männer würden in "innovativen Techniken" geschult, die von der US-Armee im Irak und in Afghanistan eingesetzt würden, sagte der Chef der chilenischen Marine, Andres Llarena, der Tageszeitung "La Tercera". Dies beinhalte die Behandlungen von blockierten Atemwegen, offenen Brüchen und schweren Blutungen.

Nötig sei das Training, weil die Bergleute bei den Rettungsarbeiten helfen müssten, große Mengen Erde und Geröll zu bewegen. Dabei seien schwere Unfälle nicht ausgeschlossen.

Bohrer bereits 268 Meter vorgedrungen
Einer der zur Rettung eingesetzten Bohrer ist unterdessen bereits bis in eine Tiefe von 268 Metern vorgedrungen. Die als zweiter Bohrer in Betrieb genommene Bohrmaschine "T-130" habe allein in 24 Stunden einen Fortschritt von 150 Metern gemacht, sagte der Einsatzleiter der Rettungsbohrungen, Andres Sougarret, am Mittwoch.

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