"War voll leicht": Premiere für Bildungsstandards

23.05.2012, 12:53
"War voll leicht": Premiere für Bildungsstandards (Bild: APA/HERBERT PFARRHOFER)
Foto: APA/HERBERT PFARRHOFER
Alle österreichischen Schüler der achten Schulstufe haben am Mittwoch im Rahmen der Bildungsstandards erstmals ihre Mathematik- Kompetenz unter Beweis stellen müssen. Beim Lokalaugenschein an einem Wiener Realgymnasium zeigten sich die Schüler im Anschluss ziemlich unbeeindruckt von den Fragen: "Total einfach, voll leicht und man hat viel zu viel Zeit", urteilten etwa die Schüler Tobias und Ivo. Beispiel- Aufgaben findest du in der Infobox!

Um 7.30 Uhr öffnete Vera Aue, Direktorin des Lise- Meitner- Realgymnasiums in Wien, die versiegelten Prüfungsbögen. Bis dahin waren die Aufgaben für die erste flächendeckende Überprüfung der Bildungsstandards in Mathematik streng geheim. 55 Schüler der achten Schulstufe mussten hier ihr Können beweisen. Gefragt waren vor allem mathematische Grundkompetenzen wie Prozentrechnungen oder Gleichungen.

Als sich um kurz nach 10 Uhr die Türen der Klassen wieder öffneten, herrschte unter den Schülern Erleichterung. "Total einfach, voll leicht und man hat viel zu viel Zeit", berichteten Tobias und Ivo aus der 4A. "Bei manchen Aufgaben musste ich schon überlegen", sagt dagegen Asja. Ein Kollege schüttelt den Kopf und fällt ihr ins Wort: "Überhaupt nicht. Total sinnlos."

"Schüler sollen Mathematik wirklich verstehen"

"Jetzt soll es endlich darum gehen, was bleibt und was die Schüler wirklich nachhaltig können", erklärte Direktorin Aue, selbst Mathematiklehrerin, die Idee hinter den Standards. Sie wünscht sich, dass Schüler in Zukunft weniger "nach Kochrezept" auswendig lernen. Stattdessen sollen sie nachdenken, begründen und Mathematik wirklich verstehen.

Das spiegelt auch das Testdesign: Bei den Bildungsstandards gibt es nicht nur lange Rechenwege, sondern auch Ergebnisse, die nur angekreuzt oder ausgewählt und interpretiert werden müssen. "Es war ur viel, oder sogar zu viel Text zu lesen", beschwert sich Anish, "fast wie ein zweiter Lesetest." Die Schüler müssten sich vor allem an die neue Form der Testung gewöhnen, die nicht mit einer klassischen Schularbeit zu vergleichen sei, so Aue.

Ergebnisse werden im Dezember veröffentlicht

Gleich nach dem Test wurden die Bögen wieder eingesammelt und erneut versiegelt. Anschließend kam ein Bote, um sie abzuholen. Die Ergebnisse stehen im Dezember fest. Jeder Schüler hat dann die Möglichkeit, sein Ergebnis im Internet abzurufen. Lehrer bekommen Klassenergebnisse und die Schulleitung einen Überblick über Klassen und die Gesamtleistung der Schule.

Wie das Lise- Meitner- Realgymnasium mit den Ergebnissen umgehen wird, ist noch nicht ganz klar. "Ich fände es wichtig, dass die Ergebnisse in den Schulen bleiben. Rankings bringen nichts", äußert Aue eine ihrer Befürchtungen. "Wir werden aber sicherlich Konsequenzen für unseren Unterricht herauslesen", so Aue weiter.

Schüler nicht sehr gespannt auf die Ergebnisse

Gespannt auf ihre Ergebnisse sind die Schüler kaum. Hier sieht Aue auch das einzige Manko der Tests: "Die Rückmeldungen erfolgen viel zu spät. Da sind die Schüler bereits im nächsten Schuljahr. Ich glaube nicht, dass es dann noch jemanden interessiert." Trotzdem hofft sie, dass alle ihr Bestes gegeben haben. Auch wenn es keine direkte Benotung gibt.

Mit Schulterzucken reagieren bei dieser Frage die Schüler der 4A - für die meisten hier war es doch nur noch ein Test. Und extra dafür gelernt haben sie laut Auskunft eines Schülers nicht.

AG/red
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