Die 20- jährigen Burschen Raphael und Lukas haben zugegeben, im Auto von Raphaels Mutter herumgefahren und mit einer Luftdruckwaffe auf Passanten geschossen zu haben. 18 Passanten wurden verletzt, bis zur Festnahme der Beschuldigten waren 21 Fälle - seit Ende August - dokumentiert. Bei den Einvernahmen nannten die bis dahin unbescholtenen 20- Jährigen weitere Fälle, in denen zumindest einer von ihnen geschossen hat.
In den Verhören haben sich die beiden "Sniper" bisher gegenseitig belastet. Während sich Raphael darauf beruft, bei den Attentaten nur den Wagen seiner Mutter gelenkt zu haben, besteht sein Kompagnon Lukas auf der gemeinsamen Täterschaft. "Er hat gesagt, dass sehr wohl beide geschossen haben", so sein Anwalt Florian Kreiner zur "Krone".
Damit reagierte Kreiner auf die mutmaßliche Verteidigungslinie des zweiten Tatverdächtigen, der von Anwalt Normann Hofstätter vertreten wird. "Er sagt, er ist 'nur' der Fahrer gewesen und hat selbst nicht geschossen. Das ist seine bisherige Verantwortung", so Hofstätter über das erste Treffen mit seinem Mandanten am Samstag. Der andere Beschuldigte besitze auch gar keinen Führerschein.
"Er ist völlig aufgelöst und schämt sich, vor allem vor seiner Familie", so Hofstätter über Raphael. Der 20- Jährige stamme aus einem "soliden Elternhaus", das Geschehene sei "nicht milieubedingt zu erklären. Er hat nur ein bisserl Pech gehabt, weil seine Firma in Konkurs gegangen ist", berichtete der Anwalt über den Werdegang des Automechaniker- Lehrlings. Dieser hätte aber trotzdem "in der übernächsten Woche seine Gesellenprüfung machen sollen.
Anwalt Kreiner betonte zudem, dass seinem Mandanten erst durch die Medienberichte über die "Sniper"- Fälle klar geworden sei, dass bei den Schussattacken Menschen verletzt worden waren. "Da haben sie sofort aufgehört damit", betonte der Anwalt. "Er hat ein umfassendes und sehr reumütiges Geständnis vor der Polizei abgelegt", so Kreiner weiter.
"Die Detailangaben sind von der Polizei zu überprüfen. Es gibt ja sehr viele Fakten, und jedes einzelne Faktum wird nachzuweisen sein", berichtet am Montag der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Thomas Vecsey. Die jungen Männer waren nach Hinweisen auf die Marke des Täterfahrzeugs - ein heller Opel Astra - ausgeforscht worden. Die Ermittler des Landeskriminalamts filterten daraufhin aus einer ursprünglichen Menge von 800 Pkws das Auto heraus. In dem Wagen wurden Waffen- und Munitionsteile sichergestellt.
Vier Hinweisgeber dürfen sich nun die 22.000 Euro Belohnung teilen, die für entscheidende Informationen an die Polizei ausgelobt worden waren – das Quartett hatte die Ermittler auf die Spur des Opel Astra geführt, wie die Sprecherin des Bundeskriminalamts, Silvia Strasser, erklärte. 20.000 Euro hatte das Bundeskriminalamt bereitgestellt, der Rest kam vom "Verein der Freunde der Wiener Polizei".