Vielleicht wäre die Geschichte einfacher zu verstehen, wenn Raphael aus einer Problemfamilie käme. Aus einem Elternhaus, in dem Angst, Gewalt und Alkohol dominieren. Aber so ist das "Warum" ein noch größeres Rätsel. Seine Mutter (Bild rechts) ist eine fürsorgliche Person, selbstständig, wohnhaft in einem Reihenhaus mit Garten. "Jeden Sonntag haben wir Familientag", so die 50- Jährige, "wir spielen Brettspiele." Die Tochter hat soeben fertig studiert, Raphael wollte zum Heer, hätte in zwei Wochen seine Gesellenprüfung gehabt. Horror- Familien sehen anders aus.
Warum? Darauf weiß auch Raphaels Mutter Regina keine Antwort. "Brutal ist er nicht", sagte sie der "Krone". "Am Abend der Festnahme waren wir noch essen", so seine Schwester, "dann hat die Polizei angerufen. Zur Zeugeneinvernahme haben sie ihn mitgenommen." Und gleich dortbehalten. "Mein Mandant ist geständig. Er ist bei den Taten als Fahrer im Wagen gesessen und hat nicht einmal geschossen", so Profi- Anwalt Mag. Normann Hofstätter (Bild links).
Auch Lukas, der zweite "Sniper", ist weit entfernt vom kriminellen Genie. Keine Vorstrafen, keine Prügeleien, die beiden trinken ja noch nicht einmal Alkohol. Eine blütenreine Weste, die jetzt allerdings blutverschmiert ist von den Attentaten auf fast zwei Dutzend Passanten. Nur eines ist auffällig: Lukas war ein Fan von Gewaltspielen. Den beiden Verdächtigen drohen übrigens wegen absichtlich schwerer Körperverletzung bis zu fünf Jahre Haft.