Bei Überweisungen bei Post-Partnern (Greißler, Gemeindeämter, etc.) gebe es laut Pölzl jedoch überhaupt keine Probleme, das Geschäft mit Sparbüchern und Konten werde teilweise von Partnern angeboten, an einer Verbesserung werde mit der BAWAG P.S.K. gearbeitet. Und Finanzprodukte seien schon zuvor in Klein-Postämtern nicht absetzbar gewesen. Dass das Bankgeschäft zurzeit allgemein nicht erfreulich laufe, sei bekannt, verwies Pölzl auf die Finanzmarktkrise.
An der Umwandlung von Postämtern in Post-Partner werde festgehalten, ebenso am Ausbau der Geschäftsstellen. Derzeit habe man bereits rund 1.700 Filialen (Ämter wie Partner), "demnächst" will Pölzl an die 2.000 haben.
Post-Belegschaft: "Kunden laufen in Scharen davon"
Die Post-Belegschaft hatte zuvor die Alarmglocken geläutet. Durch die Schließungswelle bei Postämtern würden "die Kunden in Scharen davonlaufen", eine Überarbeitung des Filialnetzkonzeptes sei dringend notwendig, teilte der oberste Mitarbeitervertreter Gerhard Fritz am Dienstag in einer Aussendung mit. Daher werde für den 29. Juni eine außerordentliche Aufsichtsratssitzung einberufen. Die Staatsholding ÖIAG ließ am Mittwoch offen, ob es diese Sitzung geben werde. Man kenne nur den Termin für eine außerordentliche Aufsichtsratssitzung am 20. Juli. Zu dieser habe eine Mehrheit der Aufsichtsräte ihr Kommen zugesagt.
ÖIAG sieht keinerlei Dringlichkeit
Die ÖIAG hielt jedoch fest, dass der Personalvertretung für die Einberufung einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung die vorgegebene Dringlichkeit fehle. "Die Filialnetzstrategie ist mehrfach in diesem Jahr in den Aufsichtsratssitzungen thematisiert worden. Die vom Aufsichtsrat beschlossene Strategie, nämlich die Umwandlung von kleineren Filialen in Postpartnerstellen, ist ökonomisch sinnvoll und wird von der Bevölkerung mehrheitlich gut angenommen", teilte ÖIAG-Chef Peter Michaelis mit.
Fritz hatte zuvor gemeint: "Grund für den dringenden Handlungsbedarf ist die Tatsache, dass trotz massiver Postamtsschließungen eine Verschlechterung des Filialnetzergebnisses der Post eingetreten ist und der Postvorstand trotzdem weitere Schließungen bei der Regulierungsbehörde anmeldet." Im Jahr 2009 drehte das Betriebsergebnis von 14,5 auf minus 9,2 Millionen Euro. Im vierten Quartal 2009 gab das Ebit der Filialen von 5,0 auf minus 2,5 Millionen Euro nach. Im ersten Quartal 2010 betrug das Betriebsergebnis minus 2,1 Millionen Euro - nach plus 0,2 Millionen Euro im ersten Quartal des Vorjahres.
Gewerkschaft fürchtet unwiederbringlichen Schaden
Das Fazit von Fritz: "In Wahrheit laufen uns mit jeder Postamtsschließungen die Kunden in Scharen davon und das Management sowie der Aufsichtsratsvorsitzende schauen dabei tatenlos zu. Daher greife man zu "diesem bisher in Österreich einzigartigen Mittel" einer Einberufung eines außerordentlichen Aufsichtsrates. Die Handlungsweise des Aufsichtsratsvorsitzenden und ÖIAG-Bosses Michaelis sei "nicht mehr zu dulden". Ansonsten würde der Aufsichtsrat als Kontrollorgan versagen und damit unwiederbringlicher Schaden am Unternehmen entstehen.
Aber auch innerhalb der Post-Partner wachse der Unmut. So würde die Post zwar immer neue Services verlangen, aber dafür nicht mehr zahlen. Unterm Strich würde sich die Post-Partnerschaft nicht rechnen, man sei aber als Nahversorger nahezu gezwungen, das Postservice zu übernehmen, um nicht noch mehr Kunden an die Supermärkte in den Städten zu verlieren, ist zu hören. "Wir zahlen die Dividenden der Aktionäre", so ein Post-Partner.
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