Dividende bleibt

Post: 101 Millionen Euro für Aktionäre, weiter Schließungen

Österreich
22.04.2010 17:38
Die Österreichische Post AG hält trotz Kritik an ihrer Dividendenpolitik fest und schüttet für das Jahr 2009 eine Dividende von 1,50 Euro je Aktie aus. Dies kostet das teilstaatliche Unternehmen 101 Millionen Euro, während weiterhin Postämter geschlossen und Beamte bzw. Mitarbeiter abgebaut werden. Bei der Hauptversammlung der Post AG am Donnerstag mussten sich Vorstand und Aufsichtsrat Kritik bezüglich mangelnder Transparenz und niedriger Frauenquote anhören.

Der Sparkurs werde sowohl beim Personal als auch bei den Postämtern fortgesetzt, kündigte Post-Chef Georg Pölzl am Vormittag bei der Versammlung in der Wien Stadthalle an. Es werde weiterhin schrittweise von Ämtern auf Post-Partner umgestellt. Derzeit hat die Post 1.125 Ämter und 627 Post-Partner. Macht in Summe 1.752 Geschäftsstellen, also deutlich mehr als die im Postmarktgesetz vorgeschriebenen 1.650.

Beim Personalabbau setzt Pölzl weiterhin auf den Wechsel von Postlern in den Verwaltungsdienst der Polizei. Alleine die Personalkosten würden rund 1 Milliarde Euro im Jahr ausmachen. Die Post beschäftigt rund 20.000 in Österreich. 

Tumpel: Für Dividende Rücklagen aufgelöst
Kritik an der Dividendenpolitik kam von AK-Chef Herbert Tumpel. "Mit dem heutigen Dividendenbeschluss würde die Post seit ihrem Börsegang im Jahr 2006 mehr als 500 Millionen Euro an Dividenden zahlen, damit liegt die Ausschüttungsquote im Durchschnitt bei rund 130 Prozent. Um dieses Ausschüttungsvolumen zu erreichen, mussten in den vergangenen Jahren zum Teil sogar Kapitalrücklagen in der Höhe von rund 120 Millionen Euro aufgelöst werden", betonte Tumpel in einer Aussendung. Gleichzeitig wurden alleine im Vorjahr mehr als tausend Mitarbeiter abgebaut, so die Kritik.

"Wo bleibt die Christl von der Post?"
Bei der Hauptversammlung schlug Vorstand und Aufsichtsrat durchaus positiver Wind entgegen. Trotzdem forderten die Aktionäre Veränderungen bei den Spitzenpositionen und mehr Transparenz bezüglich der Vergütung. Geht es nach den Aktionären, dann soll die Zahl der Aufsichtsräte von derzeit acht Personen auf sechs reduziert werden. Weiters sollte die Frauenquote von derzeit 22 Prozent erhöht werden, schließlich sind rund ein Drittel der Postler Frauen. Im Vorstand gibt es allerdings keine einzige Frau. 

Aufsichtsratschef Peter Michaelis meinte, es sei zwar begrüßenswert, wenn der Frauenanteil steigt, alleine das Geschlecht dürfe aber kein Karrierekriterium sein. "Wo bleibt die Christl von der Post?", meinte hingegen der Investor Rupert Heinrich Staller. Und Kleinanlegervertreter Wilhelm Rasinger hielt fest: "Ich würde es begrüßen, wenn auch die Vertreter der Arbeitnehmer im Aufsichtsrat auf die Frauenquote achten würde."

Vorstandsbezüge werden nicht einzeln veröffentlicht
Pölzl meinte zur Kritik an unzureichender Transparenz bei den Vorstandsbezügen, dass eine Einzelveröffentlichung nicht der Gesetzeslage entsprechen würde. Die flexiblen Gehaltsbestandteile würden sich unter anderem am Ergebnis je Aktie und am Free Cash Flow orientieren. Details nannten Pölzl und Michaelis nicht. Die Post betonte am Donnerstag, dass die Aufsichtsratsvergütung für Aufsichtsratschef Peter Michaelis in Höhe von 25.000 Euro direkt an die Staatsholding ÖIAG geht.

Kritik gab es auch an der Bestellung von Franz Nigl zum Personalchef der Post. Der Ex-ÖBB-Topmanager war zuvor im Mittelpunkt der sogenannten Datenaffäre bei den ÖBB gestanden, wo Krankenstandsdaten über das zulässige Maß hinaus erhoben wurden. Pölzl betonte am Donnerstag, dass Nigl sein volles Vertrauen genieße und an den Vorwürfen nichts dran sei.

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