Heikler GB-Besuch

Papst spricht über Missbrauch: “Für mich ein Schock”

Ausland
16.09.2010 14:23
Der Papst ist am Donnerstag zu einem viertägigen Besuch in Großbritannien eingetroffen. Es ist der erste offizielle Staatsbesuch eines Oberhaupts der katholischen Kirche im Vereinigten Königreich seit fast 500 Jahren. Benedikt XVI., der von Queen Elizabeth II. empfangen wurde, will dabei die schwierigen Beziehungen zwischen britischen Katholiken und Anglikanern verbessern. Nur etwa jeder zehnte Brite ist Katholik, das Land ist in weiten Teilen säkular ausgerichtet. Auf dem Flug von Rom nach Edinburgh nahm der Papst auch deutlich zum Skandal um pädophile Priester Stellung.

Die Kirche sei in der Frage pädophiler Priester nicht wachsam genug gewesen und habe auch nicht schnell und entschlossen genug die notwendigen Maßnahmen ergriffen, räumte der Papst ein. Die Enthüllungen "waren für mich ein Schock und Ursache großer Traurigkeit", erklärte Benedikt, weil es "schwierig ist, zu verstehen, wie eine solche Pervertierung des Priesteramtes möglich ist".

Nun sei die Kirche "in einer Phase der Reue, der Demut und der Aufrichtigkeit". Priester, die sich des sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen schuldig gemacht hätten, dürften nie mehr Zugang zu Kindern haben, sagte Benedikt. Sie litten an einer Krankheit, die nicht durch bloßes Wohlwollen geheilt werden könne.

Queen als Oberhaupt der Church of England empfing Papst
Gleich nach der Ankunft in Edinburgh empfing Queen Elizabeth II. den Besuch aus Rom in ihrer schottischen Residenz Holyrood. Die Königin ist auch Oberhaupt der Church of England, die im 16. Jahrhundert nach dem Bruch König Heinrichs VIII. mit Rom entstanden war. Ihr Ehemann, Prinz Philip, hatte den Heiligen Vater am Flughafen empfangen.

Beim Empfang durch die Queen sagte Benedikt XVI., Großbritannien habe sich "der Nazityrannei entgegengestellt, die Gott aus der Gesellschaft entfernen wollte und vielen das allgemeine Menschsein absprach, besonders den Juden". Dabei warnte der Papst vor "aggressiveren Formen des Säkularismus" und Intoleranz in der gegenwärtigen Gesellschaft. Zu den Lehren aus dem atheistischen Extremismus des 20. Jahrhunderts gehöre, dass ein Ausschluss von Gott und Religion aus dem öffentlichen Leben zu einer "herabwürdigenden Sicht des Menschen" führe.

Trotz des Bestrebens, eine multikulturelle Gesellschaft zu sein, müsse Großbritannien Respekt vor traditionellen Werten bewahren, betonte Benedikt XVI. Das Vereinigte Königreich dürfe "den christlichen Grund nicht verdunkeln, der seine Freiheit untermauert". Die britischen Medien mahnte der Papst, ihrer Aufgabe für Verständigung und Förderung der Menschenrechte gerecht zu werden. Aufgrund ihrer Verbreitung hätten sie "eine größere Verantwortung als die meisten anderen Medien".

Massives Aufgebot von Sicherheitskräften, wenig Zaungäste
Entlang der Route des Papstes vom Flughafen zum Palast war ein starkes Aufgebot von Sicherheitskräften postiert. Dagegen zeigten sich nur wenige Zaungäste, die einen Blick auf den vorbeifahrenden Papst erhaschen wollten. Der Papst trifft in Großbritannien auf eine Stimmung, die zwischen Desinteresse und Wut über den Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche schwankt. Papstgegner kritisieren auch die hohen Kosten des Besuchs mit mehr als zehn Millionen Pfund (11,97 Millionen Euro).

Am Donnerstagnachmittag war eine Messe in Glasgow geplant. Insgesamt wird Benedikt bei seinem viertägigen Besuch 13 Ansprachen halten. Im Mittelpunkt steht die Seligsprechung des von der anglikanischen Staatskirche zum Katholizismus konvertierten Kardinals John Henry Newman, der im 19. Jahrhundert in Großbritannien wirkte. Ein Massenereignis wird der Besuch des Papstes aber nicht. Zur Seligsprechung Newmans im Rahmen einer Messe am Sonntag erwarten die Organisatoren nur rund 55.000 Besucher. Ursprünglich waren sie von 80.000 Gläubigen ausgegangen.

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