Erhebungen laufen

26-Jähriger feuerte “versehentlich” auf Polizei

Österreich
16.06.2009 19:03
Nach den neun Hausdurchsuchungen in Folge der Schießerei in einem indischen Gebetshaus in Wien, bei denen ein 26-jähriger Sikh-Gläubiger am Montag aus einer registrierten Glock (Kaliber 9 mm) zwei Schüsse auf Polizisten abgegeben und diese verfehlt hat, laufen die Einvernahmen des Schützen auf Hochtouren. "Wir wissen nicht, warum der Mann auf die Cobra-Beamten geschossen hat", sagte Polizeisprecher Michael Takacs am Dienstag.

Der gleich danach in seiner Wohnung in der Preysinggasse in Rudolfsheim-Fünfhaus festgenommene Amrit Pal S. habe bisher nur ausgesagt, dass er Angst gehabt habe und nicht auf die Polizei schießen wollte, so Takacs. Vor wem sich der 26-Jährige gefürchtet haben soll, ist noch nicht eruiert worden. Der österreichische Staatsbürger mit indischen Wurzeln spreche jedenfalls gut Deutsch, bei den Einvernahmen gelange man nach und nach zu neuen Informationen.

Stichwaffen und Datenträger sichergestellt
Klar ist, dass der 26-Jährige mit einem der sechs mutmaßlichen Tempel-Attentäter Kontakt hatte. Näheres wird aus ermittlungstaktischen Gründen nicht bekanntgegeben. Dass der Mann den Angreifern die Waffe besorgt haben soll, bestätigt die Polizei nicht. Amrit Pal S. befindet sich laut Takacs bereits in der Justizanstalt, er wurde wegen der Schüsse auf die Einsatzkräfte in U-Haft genommen. Bei den weiteren Hausdurchsuchungen in verschiedenen Wiener Bezirken, darunter die Wohnorte der sechs Hauptverdächtigen, hat die Polizei zahlreiche Stichwaffen sowie eine große Zahl an Computern und Datenträgern sichergestellt. Die genaue Sichtung der Gegenstände soll einige Tage in Anspruch nehmen. Weitere Festnahmen gab es nicht, Ziel der Aktion war das Finden neuer Beweise.

Bilder von den Hausdurchsuchungen findest du in der Infobox!

Auch eines der Fahrzeuge der mutmaßlichen Täter wurde gefunden - ein roter Nissan Almera. Mehrere Spuren, die auf mindestens drei Täter hinweisen, wurden in dem Wagen gefunden. Das Auto war in der Nähe des Gebetshauses geparkt.

Erste Prognose für schwer verletzten Haupttäter
Möglich ist, dass sich der Zustand des schwer verletzten Haupttäters, der seit Wochen in einem Wiener Spital im Tiefschlaf liegt, bald bessert. Der Mann hat möglicherweise die Projektile auf die indischen Prediger abgefeuert. Der Verdächtige selbst erlitt eine schwere Kopfverletzung, wurde entgegen bisheriger Informationen aber nicht von einem Schuss getroffen. Sollte er aufwachen, ist sein weiterer gesundheitlicher und geistiger Zustand nur schwer verauszusehen.

Zeitgleich wurden am Montag gegen 13 Uhr von Kräften der Wega, der Cobra und AGM-Beamten unter Leitung des Landesamtes für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (LVT) in verschiedenen Teilen Wiens acht Hausdurchsuchungen und eine freiwillige Nachschau an neun Adressen durchgeführt. Neben den offiziellen Wohnsitzen der bereits inhaftierten mutmaßlichen Täter durchsuchten die Beamte weitere Aufenthaltsorte der sechs Männer bzw. weiterer Verdächtiger. Der Haupttäter, der auf die Prediger geschossen haben soll, liegt nach wie vor in einem Wiener Spital im künstlichen Tiefschlaf. Einer der Gebethausbesucher dürfte ihm im Tumult aus der eigenen Waffe einen Kopfschuss zugefügt haben.

Die Hintergründe zum Anschlag im indischen Gebetshaus: siehe Infobox!

U-Haft für bereits "entlassenen" Inder
Einer der kurz nach dem Anschlag auf den Guru festgenommenen mutmaßlichen Täter wurde am 5. Juni mangels Tatverdacht vorübergehend "entlassen", am Sonntag wurde über den 33-Jährigen jedoch erneut U-Haft verhängt. In der Zeit dazwischen befand sich der Verdächtige in Schubhaft. Die Beweislage gegen den Mann hat sich laut Polizei durch die Fortführung der Erhebungen erhärtet. Über das Motiv der Bluttat gebe es nach wie vor keine gesicherten Aufschlüsse. Dass möglicherweise ein Mordauftrag vorgelegen habe, könne man nicht bestätigen, betonte Polizeisprecher Michael Takacs. Aber: "Wir schließen gar nichts aus."

Die für den Fall zuständige Ermittlergruppe wird mittlerweile als eigene Soko "Punjab" geführt. Ravi Dass, die Glaubensrichtung des betroffenen Gebetshauses, wird vor allem in dem indischen Bundesstaat Punjab ausgeübt. Die Verdächtigen stammen direkt aus der Region oder der näheren Umgebung.

Anschlag auf Guru in indischem Gebetshaus
Am 24. Mai war während einer Predigt in einem Ravi Dass-Gebetshaus in der Pelzgasse in Rudolfsheim-Fünfhaus der in seiner Heimat bekannte indische Prediger Sant Rama Anand (Nand) getötet worden. Der ebenfalls aus Indien angereiste Führer der Glaubensströmung Sant Niranjan Dass wurde durch zwei Schüsse lebensgefährlich verletzt, zehn weitere Anwesende - darunter vor allem die mutmaßlichen Täter - erlitten zum Teil ebenfalls schwere Verletzungen. Sechs Verdächtige wurden unmittelbar nach der Tat festgenommen. Der Prediger Dass konnte das Spital am 3. Juni verlassen, er kehrte am selben Tag gemeinsam mit dem Leichnam von Anand zurück nach Indien.

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