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Post will in jeder Gemeinde Filiale oder Partner haben

25.01.2010, 12:19
Post will in jeder Gemeinde Filiale oder Partner haben (Bild: Uta Rojsek-Wiedergut)
Foto: Uta Rojsek-Wiedergut
Bei der Post bahnt sich offenbar eine strategische Kehrtwende an: Sie will künftig doch wieder in jeder Gemeinde eine Geschäftsstelle - also ein Postamt, einen Post- Partner oder eine Post- Servicestelle - anbieten. Das ginge über die im Postmarktgesetz festgeschriebenen 1.650 Geschäftsstellen sogar weit hinaus. Bis zu gut 2.500 Poststellen könnte es dann in Zukunft geben, hieß es am Montag bei einer Pressekonferenz von Post AG, Wirtschaftskammer und Gemeindebund.

Derzeit gibt es 1.552 Geschäftsstellen, davon sind jedoch nur mehr 1.133 klassische Postfilialen. "Das Ziel ist, dass es bald in jeder Gemeinde eine Poststelle gibt, auch in jenen, in denen es bisher kein Postamt gab", so Gemeindebund- Präsident Helmut Mödlhammer. Bis dahin werde es allerdings ein schwieriger Weg werden, schränkte er gleichzeitig ein.

Mehr Post heißt aber nicht mehr Filialen: Der Ausbau der Poststellen soll nämlich in erster Linie über Post- Partner wie Lebensmittelhändler und Gemeindeämter erfolgen, so Post- Chef Georg Pölzl. Er verwies auf die bisherigen "positiven Erfahrungen" der Bevölkerung mit den Post- Partnern, was auch eine Umfrage belege. Führend bei den Post- Partner ist derzeit "Nah & Frisch" mit 71 Partnern, gefolgt von Spar mit 44 Geschäftsstellen. Es folgen die Gemeinden, die 41 Filialen betreuen. Auf Rang vier rangiert Adeg (38), dahinter diverse Kaufhäuser (33) sowie Trafiken (31) und Bäckereien (15). Zuletzt waren sogar Pfarrämter als Post- Partner im Gespräch.

Keine Angaben zu künftigem Mitarbeiterstand

Die verstärkte Umwandlung von Postämtern in Post- Partner trifft nicht nur die Kunden, sondern auch rund 4.500 Postler, die noch in den Filialen arbeiten. Wie viele Ämter nach dem Post- Partner- Konzept 2010 der Post AG übrigbleiben werden, wollte Pölzl bei der Vorstellung des neuen Konzepts nicht konkretisieren. Die kolportierte Zahl von 300 sei auf jeden Fall "viel zu gering", betonte Pölzl.

Ganz werden die Ämter jedenfalls nicht verschwinden, zumindest in den Städten sollen sie erhalten bleiben. Die Post- Servicestellen, die im Gegensatz zu den Post- Partnern nur ein eingeschränktes Angebot haben, sollen verstärkt in Partnermodelle umgewandelt werden. Laut WKO- Chef Christoph Leitl gibt es österreichweit rund 2.000 Interessenten für eine Post- Partnerschaft, das gesamte Potenzial schätzt er auf 10.000. Insgesamt gibt es in Österreich 2.375 Gemeinden, präzisierte Mödlhammer.

500 Postler schon jetzt zum Daumendrehen verurteilt

Einfacher wird das Personalproblem durch die Ämterschließungen jedenfalls nicht. Rund 500 Postler sind schon jetzt zum Daumendrehen verurteilt, sie sitzen im sogenannten "Karriere- und Entwicklungscenter". Ob deren Zahl durch die zunehmende Umwandlung von Ämtern zu Post- Partnern weiter steigen wird, wollte Pölzl nicht kommentieren. Er verwies auf die Anstrengungen, Postler bei der Polizei unterzubringen. Allerdings läuft dieses Projekt bisher sehr schleppend. Zusätzlich will Pölzl den Gemeinden und Ländern Mitarbeiter anbieten. Und Wirtschaftskammer- Chef Leitl wandte ein, dass sich ja auch Postler bei den künftigen Post- Partnern bewerben können.

Derzeit erfüllt die Post AG allerdings nicht einmal die Vorgaben des Gesetzgebers, wonach es seit Jahresbeginn 1.650 Poststellen geben muss. Momentan sind es aber nur 1.552. Das liege daran, weil das Gesetz erst vor wenigen Wochen beschlossen wurde, verteidigte sich die Post. Sie räumte aber ein, dass es auch Widerstand gegen die Umwandlung gebe. So kämpfen etwa die Bürger der 1.645- Einwohner- Gemeinde Globasnitz in Kärnten weiterhin um ihr Amt.

Post muss laut Gesetz kein einziges "Amt" haben

Im Postmarktgesetz ist kein einziges "Postamt" festgeschrieben. Laut Gesetz darf seit Jahresbeginn ein Amt geschlossen werden, wenn ein Partner gefunden wird. Und das will die Post so schnell wie möglich, denn die Rechnung ist für Pölzl klar: Ein Amt kostet zwischen 60.000 und 70.000 Euro im Jahr, für einen Post- Partner hingegen muss die Post jährlich 15.000 bis 20.000 Euro in die Hand nehmen.

Wie es mit der Post insgesamt weitergeht, will der seit Herbst des Vorjahres amtierende Postchef Georg Pölzl am 17. Februar bei einer Aufsichtsratssitzung vorstellen.

Gewerkschaft: Post wird nicht genug Partner finden

Der Chef der Christgewerkschafter, Manfred Wiedner, zeigte sich in einer ersten Reaktion auf die Pressekonferenz empört: "Hier werden gewachsene Strukturen vernichtet." Wiedner hatte im Vorjahr das Volksbegehren "Stopp dem Postraub" initiiert, das rund 140.000 Unterschriften erhielt. Erzürnt zeigt er sich auch darüber, dass die Belegschaftsvertretung über die Pläne aus den Medien erfahren habe. "So kann es nicht weitergehen, hier werden die Gefühle der Mitarbeiter verletzt", betonte Wiedner.

Allerdings glaubt die Gewerkschaft ohnehin nicht, dass sich genug Post- Partner finden werden. Schon jetzt schaffe es die Post nicht, die im Postmarktgesetz vorgeschriebenen 1.650 Poststellen zu erreichen, hieß es von Post- Gewerkschaftschef Gerhard Fritz. Pölzl sei gefordert, endlich mit den Belegschaftsvertretern zu sprechen.

SPÖ- Infrastrukturministerin Doris Bures meinte in einer ersten Reaktion, dass durch das Postmarktgesetz bereits die flächendeckende Versorgung sichergestellt sei, wenn die Post über das hinausgehen wolle, sei dies zu begrüßen.

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