Islam-Debatte

Merkel stellt sich vor in Deutschland lebende Türken

Ausland
03.09.2010 16:20
Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich in der Debatte um die Thesen von Thilo Sarrazin schützend vor die in Deutschland lebenden Türken gestellt. Allerdings müssten bestehende Probleme in der Integration auch offen diskutiert werden, zitierte die türkische Tageszeitung "Hürriyet" die deutsche Kanzlerin am Freitag nach einem Interview.

Einwanderer müssten die Chance erhalten, sich in Kultur, Wirtschaft und Gesellschaft einzubringen. Darum müssten sie sich aber aktiv bemühen. Integration sei eine der wichtigsten Aufgaben unserer Zeit. Unter Integration werde in Deutschland "keine erzwungene Assimilation oder das Leugnen der eigenen Wurzeln" verstanden, allerdings "bedeutet Integration natürlich, dass die Einwanderer Deutsch lernen und unsere Gesetze einhalten", so die Bundeskanzlerin.

Sarrazins Vorwürfe an die Adresse von muslimischen Migranten bezeichnete Merkel der Zeitung gegenüber als "absurd". Diese seien nicht zu akzeptieren. Viele Migranten hätten sich bereits sehr gut integriert. Dies könne in den von vielen Türken bewohnten Bezirken in Berlin gesehen werden, wo die Menschen gut Deutsch sprechen könnten, kleine Geschäfte hätten und ihre Kinder zur Schule schickten. Gute Entwicklungen dürften nicht verschwiegen werden.

Bundesbank-Vorstandsmitglied Sarrazin hatte mit Äußerungen über den islamischen Hintergrund von Einwanderern als angebliche Ursache von Integrationsproblemen Empörung ausgelöst. Die deutsche Zentralbank beantragte daraufhin am Donnerstag in einem historisch einmaligen Schritt seine Entlassung als Vorstandsmitglied. Die Entscheidung, ob der 65-jährige frühere Berliner Finanzsenator tatsächlich gehen muss, liegt nun beim deutschen Bundespräsidenten Christian Wulff.

Präsident Wulff: "Die Vielfalt Deutschlands annehmen"
Auch Wulff hatte Sarrazins Thesen deutlich zurückgewiesen, wenngleich ohne den Bundesbank-Vorstand beim Namen zu nennen. Bei der Eröffnung der wiederaufgebauten jüdischen Synagoge in Mainz sagte der Bundespräsident am Freitag, dass Juden, Christen, Muslime, Anders- und Nichtgläubige gleichermaßen nachhaltig dazu aufgefordert seien, "als Partner unser modernes Gemeinwesen mit und so zu gestalten, dass wir eine gute friedliche, gemeinsame Zukunft haben". 

Zugleich forderte der deutsche Bundespräsident den Einsatz aller Bürger für zwischenmenschlichen Respekt, Zivilcourage und richtig verstandene Toleranz ein. Synagogen, Kirchen und Moscheen seien als Orte friedlich gelebten Glaubens auch ein Sinnbild dafür, "dass wir alle die Vielfalt Deutschlands annehmen".

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