Madoff hatte den jahrzehntelangen Mega- Betrug Mitte Dezember vergangenen Jahres seinen beiden mit in seiner Firma beschäftigten Söhnen gestanden. Wegen der Finanzkrise hatten zuvor Anleger hohe Summen abgezogen und das Betrugssystem so zum Einsturz gebracht.
Seit Mitte März lebte der geständige Finanzjongleur als Häftling Nummer 61727- 054 in einer fünf Quadratmeter großen Zelle im Stadtgefängnis von New York. Am Montag durfte er sein beengtes Zuhause noch einmal verlassen, um vor Gericht der Verkündung seiner Strafe beizuwohnen.
Zu Beginn der Sitzung kamen stellvertretend einige Opfer zu Wort. Manche verloren ihre gesamten Ersparnisse und müssen sich nun mit staatlichen Essensmarken durchschlagen. "Keine Gnade", sagte ein 63- jähriger Rentner laut US- Medien. Seine Frau weine jeden Tag um das Leben, das sie gemeinsam durch den Betrug verloren hätten. Das 62- jährige Madoff- Opfer Ron Weinstein brachte die Stimmung auf den Punkt: "Dieser Abschaum darf nie mehr das Tageslicht sehen."
Madoff: Fehler nicht zu entschuldigen
Bereits zu Prozessbeginn im März hatte sich Madoff in allen Anklagepunkten schuldig bekannt. In dem Verfahren sprach er von Reue, von Scham und von dem unwiderstehlichen Reiz des Geldes, der seinen kühnen Anlagebetrug erst möglich gemacht habe. In den 1990er- Jahren habe sein Schneeballsystem begonnen. "Ich dachte, ich könnte es schnell zu Ende bringen und mich und meine Kunden aus der Sache rausholen", sagte Madoff. "Das erwies sich als schwierig und am Ende als unmöglich." Zu übermächtig sei die Eigendynamik geworden, die der Erfolg seines Systems nach sich gezogen habe.
Unmittelbar vor seiner Verurteilung hat Madoff am Montag nochmals Reue gezeigt. Er habe einen "fürchterlichen Fehler" begangen, sagte der 71- Jährige am Montag vor Gericht in New York. An die Opfer im Saals gewandt sagte er: "Es tut mir leid. Ich weiß, das hilft Ihnen nichts." Zugleich betonte der Ex- Broker: "Ich habe für mein Verhalten keine echte Entschuldigung anzubieten." Seiner Familie hinterlasse er ein "Vermächtnis der Schande", meinte Madoff.
Auch zum Ende des Verfahrens blieben große Fragen im Raum stehen. Madoffs Pyramidensystem war so kompliziert, dass die Ermittler noch nicht einmal das genaue Ausmaß des Schadens berechnen konnten. Sie gehen davon aus, dass er etwa 13 Milliarden Dollar (rund 9,2 Mrd. Euro) von seinen Investoren bekam.
Etwa eine Milliarde Dollar kamen durch die Beschlagnahme von Madoffs Villen, Jachten und Juwelen zusammen. Ob er noch weitere Vermögenswerte versteckt hat, ist nicht klar. Der vom Gericht bestellte Konkursverwalter Irving Picard beklagte, dass Madoff bei der Verortung seiner Besitztümer nicht sehr kooperativ gewesen sei.
Ebenso offen wird letztlich die Frage bleiben, wie ein einziger Mann durch einen Trick über Jahrzehnte hinweg eine Milliardensumme ergaunern konnte, ohne dass irgendjemand etwas merkte. Die Antwort ist wohl zum einen in Madoffs Persönlichkeit zu suchen, wo sich außerordentliches geschäftliches Talent mit krimineller Raffinesse verband, und zum anderen in seinem Umfeld, wo ungebändigtes Profitstreben selbst den grundlegendsten aller Kontrollmechanismen, den gesunden Menschenverstand, außer Kraft setzte.
Auf wundersame Weise losgelöst vom Auf und Ab der Börsen brachte Madoffs Fonds den Anlegern über die Jahre gleichmäßig hohe Gewinne ein. Dass es sich dabei um ein Schneeball- System handelte, bei dem die Erträge nicht durch Börsengewinne, sondern allein durch die Einlagen neuer Kunden bezahlt wurden, wussten die Anleger nicht. Nicht einen einzigen Dollar habe er wie vereinbart am Kapitalmarkt investiert, gab Madoff inzwischen zu. Das gesamte Geld habe er auf Bankkonten deponiert, ehe das System im Dezember zusammenbrach.
Indes fühlt sich die Ehefrau Madoffs von ihrem Mann verraten. Dieser sei nicht mehr "der Mann, den ich in all diesen Jahren kannte", erklärte Ruth Madoff am Montag nach dem Urteilsspruch. Sie fühle sich "verraten" von "diesem Mann, der diesen schrecklichen Betrug beging". Im Zuge des Prozesses gegen Madoff wurden auch 85 Millionen Dollar aus dem Anlagevermögen seiner Frau Ruth eingezogen. Ihr bleibt nach der Beschlagnahme aber immerhin noch Bargeld in Höhe von 2,5 Millionen Dollar.
Das Weiße Haus in Washington begrüßte das Urteil. Dieses signalisiere, dass, wer das Geld anderer anlege, eine große Verantwortung "gegenüber dem Investor und diesem Land" trage, sagte der Sprecher von US- Präsident Barack Obama, Robin Gibbs.