Bereits zu Mittag waren zunächst 19 Angeklagte schuldig gesprochen worden. 15 von ihnen werden nach Anrechnung der Untersuchungshaft, in der sie sich seit Ende August dieses Jahres befanden, sofort bedingt aus der Haft entlassen. Am Nachmittag wurden dann ein Ehepaar und eine Frau, die überhaupt nichts von der Schlepperei bemerkt haben wollen, weiter befragt und schließlich zu je 14 Monaten Haft, davon zwölf Monate bedingt, verurteilt. Alle Urteile sind rechtskräftig.
Jüngste Angeklagte brachte Umschwung
Bei ihrer Befragung durch die Richterin hatten die meisten Angeklagten zunächst angegeben, sie hätten von den Flüchtlingen im Bus nichts gewusst. Einigen sei jedoch klar gewesen, dass es sich bei der Fahrt um "etwas Illegales" handeln musste. Erst als die jüngste Angeklagte sich schuldig bekannte, zeigten sich auf Nachfrage der Richterin 18 weitere Beschuldigte geständig.
Die 18-Jährige schilderte, dass sie über einen Cousin von der Möglichkeit erfahren habe, für einen Verdienst von 100 Euro nach Wien zu fahren. Die Angeklagte erzählte auch, dass sie aufgeweckt worden sei, damit die Sitze beiseitegeschoben werden konnten, um die Flüchtlinge aus ihren Verstecken zu lassen. An den Fahrten habe sie teilgenommen, um sich ihr Studium finanzieren zu können.
Staatsanwältin betont Rolle als gekaufte "Staffage"
Auf das in Aussicht gestellte "Zubrot" von 100 Euro pro Person bezog sich auch Staatsanwältin Beatrix Resatz in ihrem Schlussplädoyer, in dem sie eine Bestrafung im Sinne der Anklage forderte. Die Beschuldigten hätten als "Staffage" an der Fahrt teilgenommen, um ihre schlechten finanziellen Verhältnisse aufzubessern. Zudem hätten sie gewusst, dass sich unter den Sitzen des Busses die Geschleppten befanden.
Die Verteidiger der Griechen baten für ihre Mandanten dagegen um eine milde Bestrafung, einige ersuchten um einen bedingten Strafnachlass. Mehrere Beschuldigte hätten zum ersten Mal an so einer Fahrt teilgenommen. Andere hätten sich tatsächlich in einer ausweglosen finanziellen Situation befunden.
Enge Verstecke unter Zwischendecke
Die Verstecke, in denen die meisten der Afghanen bei der in Wien von der Polizei beendeten Fahrt transportiert wurden, befanden sich - durch eine Zwischendecke vom Gepäckraum getrennt - unterhalb der Sitze (siehe weitere Bilder) und waren lediglich 25 Zentimeter hoch. Während der Fahrzeit von rund zwölf Stunden mussten die Passagiere mit geringer Luftzufuhr auskommen.
Während der Tour seien die Geschleppten ein- bis zweimal aus ihren Verstecken ins Freie gelassen worden, um ihre Notdurft zu verrichten. Eine Möglichkeit, ihre Verstecke selbstständig zu verlassen, hatten die Afghanen laut Anklage nicht: Die Flüchtlinge konnten nur von außen befreit werden. Die Route der Schlepper führte von Griechenland über Rumänien und Ungarn nach Österreich.
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