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Achtlingen in Kalifornien geht es "erstaunlich gut"

28.01.2009, 14:54
Achtlingen in Kalifornien geht es "erstaunlich gut"
Die am Montag geborenen kalifornischen Achtlinge haben am Dienstag erstmals Nahrung zu sich genommen. Den sechs Buben und zwei Mädchen gehe es "erstaunlich gut", sagte der Chef der Frühgeburtenstation Mandhir Gupta (li.) vom Krankenhaus in Bellflower bei Los Angeles. Die Mutter, die sich von dem riskanten Kaiserschnitt erholt, hat nach Angaben des Betreuerteams (re.) bisher nur Fotos von ihrem Nachwuchs gesehen. Spätestens am Mittwoch sollte sie die Babys zum ersten Mal berühren dürfen. Die in der 30. Schwangerschaftswoche zur Welt gekommenen Frühchen müssen mehrere Wochen in Brutkästen verbringen, die Aussichten für die Kinder sind laut Gupta sehr gut.

Die Achtlinge atmen inzwischen alle selbstständig. Zwei nach ihrer Geburt am Montag an Beatmungsgeräte angeschlossene Babys seien nicht mehr auf die Maschinen angewiesen, sagte Gupta. Demnach bekommen die beiden Säuglinge nur noch leichte Hilfe bei der Atmung, die Aussichten für die beiden Kinder seien gut. Am Montag hatte Gupta noch gewarnt, das Überleben aller acht Kinder sei nicht sicher.

Laut dem Krankenhausbetreiber ist die Geburt der sechs Buben und zwei Mädchen erst der zweite Fall in den USA, in dem alle acht Kinder lebend auf die Welt kamen. 1998 wurden in Texas sechs Mädchen und zwei Buben geboren. Eines der Mädchen starb allerdings in der ersten Woche nach der Geburt. Die Kinder in Kalifornien wiegen zwar nur zwischen 680 Gramm und 1,5 Kilogramm, für Achtlinge sei das aber enorm viel und eine sehr erfreuliche Tatsache, so Gupta.

Ursprünglich "nur" sieben Babys erwartet

Das Team von 46 Ärzten und Helfern hatte ursprünglich "nur" sieben Babys erwartet. Um kurz vor 11 Uhr vormittags Ortszeit (zirka 20 Uhr abends bei uns) wurde begonnen, die Babys per Kaiserschnitt zu holen. Dann die große Überraschung: "Meine Augen wurden so groß wie Untertassen, als ich das achte Baby entdeckte!", sagte Dr. Karen Maples. Insgesamt fünf Minuten habe es gedauert, dann waren alle Geschwister entbunden. "Das erste Baby kam raus und es schrie und strampelte sofort los. Das war ein sehr gutes Zeichen und wir waren die schlimmste Sorge los."

Vier Kreißsäle hatte das Ärzteteam am Montag okkupiert. Bereits vor Wochen hatte man mit den Proben begonnen, damit das Ballett an Geburtshelfern die Babys im Akkord versorgen kann. Die Mutter, die die letzten Schwangerschaftswochen unter strikter Bettruhe verbrachte, bestand auf eine örtliche Betäubung, damit sie bei jedem Kind den ersten Schrei hören kann. Die acht Babys in ihrem Bauch wogen vor der Entbindung insgesamt 11 Kilogramm.

Die Frau kann nach Angaben der Ärzte bereits in einer Woche das Krankenhaus verlassen. Die Babys müssen dagegen mindestens zwei Monate in Brutkästen bleiben. Sie sind ungefähr neun Wochen zu früh auf die Welt gekommen. Dass es die Mutter bis in die 30. Schwangerschaftswoche ausgehalten habe, sei aber beachtlich. Von den Babys müssen zwei künstlich beatmet werden, ihr Zustand sei aber stabil. Sollten alle acht Kinder die "kritische Phase" in der ersten Woche überleben, wäre das eine einmalige Sensation.

Mutter will alle Babys ganz normal stillen

Die glücklichen Eltern wollen indes anonym bleiben. Bereits wenige Stunden nach der Geburt tauchte jedoch eine "Armada" an Übertragsungswägen amerikanischer Fernsehsender vor der Klinik in Kalifornien auf. Ob es eine Pressekonferenz geben wird, werden die Eltern jetzt doch überlegen. In ihrem Bulletin wollten die Ärzte nicht sagen, ob eine Hormonbehandlung bei den Achtlingen im Spiel war. Die Mutter plane jedenfalls, ihre Kinder auf ganz natürliche Weise zu stillen, sagten die Ärzte. "Sie ist eine starke Frau, sie schafft das", meinte Dr. Gupta.

Der amerikanische Fruchtbarkeitsexperte Richard Paulson meinte am Montag, es sei aus seiner Sicht "sehr wahrscheinlich", dass der Rekord- Geburt eine Hormonbehandlung vorausging. Gezeugt wurden die Babys laut Paulson aber mit ziemlicher Sicherheit auf natürliche Weise. Bei künstlichen Befruchtungen sei dafür zu viel Kontrolle im Spiel, meinte der Experte zur Associated Press.

Achtlingsgeburten - eine extreme Seltenheit

Das erste Mal überlebten 1998 in Houston alle Achtlinge ihre Geburt. Eines der Kinder starb jedoch eine Woche später. Die Babys waren extreme Frühgeburten und wogen, anders als im aktuellen Fall, nur zwischen rund 300 Gramm und 800 Gramm. Die überlebenden Geschwister feierten im Dezember 2008 ihren zehnten Geburtstag. Sie sind laut ihrer Eltern gesunde und aktive Kinder. Die Geburt in Texas hatte damals eine Debatte über künstliche Befruchtungsmethoden angefacht, da die Mutter mit Hormonen behandelt worden war. Bei sieben machte die aber Frau nicht Halt: 2002 brachte sie eine weitere Tochter zur Welt.

In Europa gab es im Jahr 2000 Achtlinge in Italien. Die Frau brachte damals die Kinder "auf Raten" zur Welt: Zuerst einen Buben auf natürliche Weise, dann ein Mädchen, das aber kurz nach der Geburt starb. Die sechs weiteren Babys wurden dann per Kaiserschnitt geholt. Das erste Mal überhaupt - seit Beginn medizinischer Aufzeichnungen - wurden Achtlinge 1967 in Mexiko City geboren. Damals überlebte jedoch keines der Kinder länger als 14 Stunden.

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