Noch turteln sie...

Flugratten

Spiele
30.01.2007 16:17
Für die einen sind sie das eleganteste Postbeförderungsmittel seit Erfindung des Briefes, für die anderen sind sie Kot schleudernde Plagegeister: Tauben. In dem abgefahrenen und politisch nicht ganz korrekten Fun-Shooter "Flugratten" können Leidgeplagte jetzt Jagd auf die Ratten der Lüfte machen.

Kaum eine Großstadt ist nicht davon betroffen: Der ätzende Kot der einst so geachteten, mittlerweile zur Plage avancierten Tauben frisst sich durch Denkmäler und andere historische Bauten. Allein in Hamburg, so die Macher des Spiels, landen jährlich rund 300 Tonnen Feuchtkot auf den Straßen.

Genau aus diesem Grund tritt der Spieler in "Flugratten" zur Jagd auf die Plagegeister der Lüfte an. An insgesamt sieben Original-Schauplätzen - darunter das Brandenburger-Tor, der Salzburger Domplatz oder der Markusplatz in Venedig - dürfen die Tauben mit allerlei Geschossen vom Himmel geholt werden.

Dabei beschränkt sich das Waffenarsenal nicht nur auf schnöde Schleudern, die mit Golfbällen oder Mozartkugeln (im Salzburg-Level) bestückt werden, sondern auch Äpfel oder Milchpackungen müssen herhalten. Die Besonderheit dieser "Geschosse": Sie zerplatzen großflächig und ziehen somit gleich mehrere Tauben ins Verderben.

Doch im Mülleimer, der Anlaufstelle für neue Munition, finden sich auch Brezeln, Croissants oder andere "Leckerlies", mit denen die "Flugratten" gleich in Scharen angelockt werden können und so ein leichtes Opfer für die härteren Geschosse sind. Den gleichen Effekt hat übrigens auch das mitgeführte Handy, dessen hypnotisierender Klingelton die Tauben herbei ruft. Mit der aufblitzenden Einwegkamera können die Viecher hingegen traumatisiert werden, so dass das Zielen wiederum leichter fällt.

Wer jetzt denkt, dass "Flugratten" ein stupides Ballerspiel ist, der irrt allerdings. Es gilt nämlich durchaus taktisch vorzugehen, wenn innerhalb des vorgegebenen Zeitrahmens und mit beschränktem Munitionsvorrat alle Ziele erfüllt werden sollen. Je nach Stadt müssen Tauben vor einen Bus gelockt, auf große Entfernung getroffen oder mit zerplatzten Geschossen ausgeschaltet werden. Kein leichtes Unterfangen auf den großzügig angelegten Plätzen.

Glücklicherweise gibt es aber zusätzliche Gimmicks, die den Spieler bei seiner Jagd unterstützen. Neben Tod bringenden Bussen, Flugzeugen oder Straßenbahnen können auch ein explodierender Helium-Ballon oder ein heißer Grill Wunder wirken. Besonders kaltblütige "Flugratten"-Jäger sollen auch schon den Eifelturm unter Strom gesetzt haben, um die Plagegeister im Flug zu grillen.

Zur Beruhigung aller jetzt schon auf die Barrikaden steigenden Tierschützer sollte jedoch erwähnt werden, dass die Tauben nach einem kurzen Moment der Bewusstlosigkeit wieder quicklebendig sind und sich dann mitunter auf nicht ganz unblutige Art und Weise an ihrem Häscher rächen.

Naturgemäß kann ein Low-Budget-Titel wie "Flugratten" grafisch zwar nicht ganz mit den großen Top-Titeln mithalten, dennoch haben hier die Macher solide Arbeit geleistet. Die Original-Schauplätze sind ansprechend in Szene gesetzt und wenngleich viele Texturen nur "aufgemalt" wurden, so kann die "Flugratten"-Kulisse samt respektabler Physik-Engine überzeugen. Ein etwas belebteres Stadtbild hätte den Leveln aber sicher nicht geschadet. 

Die funkig bis rockig klingende Musik ist dezent gehalten und recht wohlklingend gestaltet. Leider haben es die Macher versäumt, die Klänge den jeweiligen Szenarios anzupassen - beispielsweise Blasmusik in München, Quetschkommode in Paris, etc.

Fazit: Moorhuhn-Jagd war gestern, den "Flugratten" gehört die Zukunft. Der kurzweilige Fun-Shooter mit der Prise Anarcho-Humor wird Tierschützer zwar nicht begeistern, kann mit seinen witzigen Ideen aber Schwung ins Ego-Shooter-Genre bringen. Für rund 20 Euro ein gut gemachtes Spiel zu einem fairen Preis. Interessierte können über die Homepage eine Demo (Tutorial samt Hamburg-Level) herunterladen.

Plattform: PC
Publisher: Edel
Krone.at-Wertung: 78%

von Sebastian Räuchle

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