Während in Pamplona wieder Tausende Menschen jubeln und Millionen vor den Bildschirmen mitfiebern, kämpft dort ein fühlendes Lebewesen um sein Leben. Wissenschafter wissen längst: Stiere und Rinder schließen Freundschaften, erkennen Gesichter und empfinden Freude, Angst und Trauer. Trotzdem wird ihre Todesangst bis heute zur Volksbelustigung. Während des achttägigen San-Fermín-Festes werden insgesamt 48 Kampfstiere durch die engen Gassen Pamplonas in die Stierkampfarena getrieben. Gleichzeitig fließen jährlich rund 130 bis 200 Millionen Euro an EU-Agrargeldern indirekt in die blutige Stierkampf-Industrie. Der eigentliche Skandal beginnt jedoch erst hier: Auch Österreich zahlt mit. Jahr für Jahr fließen rechnerisch drei bis fünf Millionen Euro unseres Steuergeldes in ein System, das Tierleid mitfinanziert. Es ist das Geld von Millionen Europäern und Österreichern, die Tierquälerei ablehnen und dennoch gezwungen sind, dieses System mit ihren Steuern mitzutragen. Während Europa seinen Bauern immer strengere Vorgaben für Tierwohl, Nachhaltigkeit und Bioqualität auferlegt, profitieren gleichzeitig Betriebe, deren Tiere für umstrittene Stierkämpfe gezüchtet werden, indirekt von öffentlichen Förderungen. Dieser Widerspruch schreit zum Himmel. Noch bedrückender ist, dass sich selbst prominente Vorbilder wie Spaniens Fußball-Nationaltrainer Luis de la Fuente öffentlich und stolz zum Stierkampf bekennen. Worte prägen Haltungen. Vorbilder prägen Generationen. Eine fragwürdige Tradition, die nur mit fremdem Steuergeld überlebt, hat ihre moralische Kraft längst verloren. Kultur erhebt den Menschen. Tierquälerei erniedrigt ihn. Wenn uns das Schreien eines sterbenden Stieres im Innersten nicht mehr berührt, verlieren wir weit mehr als unser Mitgefühl – wir verlieren das, was uns zu Menschen macht.
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