Es ist bemerkenswert, wofür wir heute noch Leuchttafeln zum Strahlen bringen. Während Kriege, Wohnungsnot und Rekordteuerung den Alltag vieler Menschen bestimmen, wird die Hochzeit zweier Superstars zur Nachricht von weltpolitischem Ausmaß erklärt. Niemand soll Taylor Swift oder Travis Kelce ihr Glück neiden. Im Gegenteil: Zwei Menschen, die einander gefunden haben, sind eine schöne Geschichte. Bemerkenswert ist vielmehr, mit welcher Wucht Medien und Öffentlichkeit daraus ein Spektakel machen. Designerkleid, Limousinen, Gästeliste – alles wird seitenlang analysiert, als hinge davon das Wohl der Gesellschaft ab. Umso bemerkenswerter ist, dass das Paar gleichzeitig Millionen für wohltätige Zwecke gespendet hat. Genau das wäre die eigentliche Schlagzeile gewesen: Dass Erfolg auch Verantwortung bedeuten kann. Vielleicht brauchen wir weniger Berichte über Promi-Roben und mehr über jene Werte, die hinter den Menschen stehen. Medien prägen nicht nur, worüber wir sprechen, sondern auch, worüber wir schweigen. Und manchmal sagt gerade das mehr über unsere Gesellschaft aus als jede noch so spektakuläre Hochzeit. Eine Gesellschaft erkennt man nicht daran, wen sie bewundert – sondern daran, worauf sie ihre Aufmerksamkeit richtet.
John Patrick Platzer, Rauth
Erschienen am So, 5.7.2026
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