Das freie Wort

Gedanken über die Wallfahrt in Lourdes

Vom 22. bis 25. Mai durfte ich an der Internationalen Soldatenwallfahrt in Lourdes teilnehmen – dem PMI, dem Pèlerinage Militaire International. Heuer versammelten sich dort rund 17.000 Pilgerinnen und Pilger aus 40 Nationen. Lourdes wurde damit für wenige Tage zu einer der eindrucksvollsten Friedenskundgebungen unserer Zeit. Was auf den ersten Blick paradox erscheinen mag, entfaltet vor Ort eine tiefe Wahrheit: Gerade jene Menschen, die den Ernst von Befehl, Verantwortung, Verwundbarkeit und Opfer kennen, beten dort gemeinsam um Frieden. Nicht als abstrakte Parole, nicht als wohlfeile Sonntagsrede, sondern als existenzielle Bitte. Die Soldatenwallfahrt entstand nach dem Zweiten Weltkrieg aus dem Geist der Versöhnung zwischen französischen und deutschen Militärseelsorgern. Ausgerechnet dort, wo Europa seine dunkelsten Wunden trug, wurde der Versuch unternommen, nicht den Hass zu vererben, sondern die Hoffnung. Das macht Lourdes bis heute so besonders. Für mich persönlich waren die stillen Momente an der Grotte von Massabielle magisch. Dort, wo der Überlieferung nach Maria der jungen Bernadette erschien, wird der Mensch kleiner – aber nicht bedeutungsloser. Man spürt, dass Glaube nicht Flucht aus der Welt ist, sondern eine Quelle, um ihr standzuhalten. Ich habe in Lourdes neu verstanden, dass Frieden nicht nur durch Verträge, Grenzen und Institutionen gesichert wird. Er braucht Menschen, die sich innerlich nicht vom Zynismus besiegen lassen. Menschen, die trotz aller Brüche an Versöhnung glauben. Menschen, die nicht müde werden, im anderen zuerst den Bruder, die Schwester, den Nächsten zu erkennen. Darum war Lourdes für mich mehr als eine Wallfahrt. Es war eine Erinnerung daran, dass Glaube keine Flucht vor der Wirklichkeit ist, sondern eine Kraft, ihr standzuhalten. Und vielleicht ist genau das die leise Größe dieses Ortes: Er macht aus Soldaten keine Träumer, sondern mahnt sie, Wächter eines Friedens zu sein, der zuerst im Herzen beginnen muss.

John Patrick Platzer, Rauth (Präsident des gemeinnützigen Vereins „Soldaten mit Herz“, Zugsführer der Miliz, Eingeteilter Informationsoffizier des Militärkommandos Kärnten)

Erschienen am Do, 28.5.2026

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