Das freie Wort

„Danke, liebe Regierung!“

Bei einem Leserbrief sah ich diese Überschrift: „Wer zum Wahlarzt geht, soll dafür selbst bezahlen.“ Wie weltfremd ist denn das? Wer versichert ist und dafür Beiträge – in diesem Fall sogar Zwangsbeiträge – bezahlt, der hat Anspruch auf Versicherungsleistungen. Der „Kostenersatz“ für Zahlungen an Wahlärzte ist lächerlich – aus mehreren Gründen. Welcher Akademiker oder auch welcher Handwerker würde als Selbstständiger, der alle Nebenkosten für Räumlichkeiten, Personal, Ausrüstung, Verwaltung, Steuern, Weiterbildung usw. damit bezahlen muss, zu einem Stundenlohn von max. 50 Euro arbeiten? Das ist der Stundenlohn, den ein Patient, der gezwungen ist, zum Wahlarzt zu gehen, von der Sozialversicherung retourniert bekommt. Ein Selbstständiger darf darüber hinaus auf alle Leistungen 20% Selbstbehalt bezahlen. Die meisten Patienten, die einen Wahlarzt aufsuchen, machen das nicht aus Jux und Tollerei, sondern weil sie beim Kassenarzt keinen Termin bekommen oder weil der Posten des Kassenarztes eingespart wurde. Ich zahle seit 53 Jahren Höchstbeiträge an die SV – jetzt sogar doppelt – mit der Pension, und extra dazu muss ich als Selbstständiger nochmals volle Beiträge bezahlen, ohne etwas dafür zu bekommen. Das sind als Pensionist rund 3500 Euro und als Selbstständiger nochmals über 12.000 Euro. Im Vorjahr musste ich mich einer dringenden Notoperation unterziehen, bekam aber keinen Termin, also musste ich mich an einen Wahlarzt wenden, denn sonst wäre ich gestorben. Warum muss ich das selbst bezahlen, wo ich doch immer meine Versicherungsprämien bezahlt habe? Das Schlimmste an Ungerechtigkeit ist die Bevorzugung von Menschen, die noch keinen Cent an die Kassen bezahlt haben. Wenn man dann liest, dass arbeitsferne Migranten auf Kosten der Krankenkassa mehrmals eine sündteure künstliche Befruchtung bezahlt bekommen – und das auch für mehrere Kinder – so wird man zornig. Einheimische, die Höchstbeiträge bezahlen und überall noch mit hohen Selbstbehalten belastet werden oder denen Leistungen überhaupt verweigert werden, werden von den Kassen diskriminiert, aber Nichtzahler mit Migrationshintergrund bekommen alle Leistungen ohne Selbstbehalt bezahlt. Da stimmt doch vieles nicht mehr in unserem Staat.

Stephan Pestitschek, Strasshof/N.

Erschienen am Do, 28.5.2026

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