Wahrheit ist ein kostbares Gut, schafft Vertrauen und gibt Sicherheit. Zunehmend ist bemerkbar, dass Wahrheiten zweckdienlich gebogen werden. Wenn es nützlich erscheint oder Tatsachen nicht angesprochen werden sollen, kennen manche Vertuscher weder Scham noch Bedenken. Drei Beispiele, die zeigen, wie den Beobachtern Sand in die Augen gestreut wird. Der US-Präsident Donald Trump, selbstherrlicher Dealmaker, kann einfach nicht eingestehen, dass er mangels Strategie in die Iran-Sackgasse geraten ist. Um sein politisches Versagen zu vertuschen, nutzt er seinen eigenen Infokanal, um beinahe stündlich total widersprüchliche Aussagen zu den Verhandlungen mit dem Iran zu treffen. Inzwischen hat er erreicht, dass dem Präsidenten der Supermacht USA kaum noch jemand zuhört. Ist auch nicht nötig, da in wenigen Stunden eine völlig konträre Aussage folgt. Im Disput um den Wiener Dompfarrer Toni Faber, der offen den Zölibat hinterfragt, mit einer Frau eine sehr innige Beziehung lebt und dies auch öffentlich zeigt, zieht der Wiener Erzbischof Josef Grünwidl als Übergeordneter elegant die Konsequenzen. Toni Faber geht nächstes Jahr in die Priesterpension. Für einen Priester mit 65 Jahren eigentlich eine Frühpension. Damit wird das brisante Thema (Zölibat, die öffentliche Beziehung zu einer Partnerin und das Leben in der Seitenblicke-Gesellschaft) elegant gelöst. Die Wahrheit sieht anders aus. Auch im politischen Bereich ist das Täuschen bzw. Wahrheit-Biegen an der Tagesordnung. Sowohl linksorientierte Parteien als auch rechtsgerichtete Gruppierungen propagieren ihre einfachen Lösungen für alle Probleme und Herausforderungen als einziges Allheilmittel. Sie verschweigen, dass Kompromisse und Konsens notwendig sind, dass auch Minderheiten Rechte zustehen und dass ihre Politik nur mit absoluter Parlamentsmehrheit umsetzbar wäre. Drei Beispiele, die zeigen, wie zweckdienlich Wahrheiten verschwiegen, Beobachter getäuscht und Lügen ungeniert verbreitet werden. Die Frage, warum es einen großen Vertrauensverlust in der Gesellschaft gibt, lässt sich mit dem Verhalten der Täuscher beantworten.
Franz Peer, Linz
Erschienen am Do, 28.5.2026
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