Wieder eine Nacht, in der die Welt leiser wird. Nicht still – denn Raketen machen keinen Platz für Stille – aber leerer. Leerer an Hoffnung, an Vertrauen, an menschlicher Vernunft. Der Präventivschlag Israels gegen Iran mag militärstrategisch begründbar sein. Doch wann haben wir begonnen, „Vorsicht“ mit „Vergeltung“ zu verwechseln? Wann wurde das „Noch nicht“ zu einem „Jetzt schon“? Und wie oft müssen wir uns diese Frage noch stellen, bis wir begreifen, dass sich in dieser Spirale niemand retten kann? Es brennt an so vielen Orten: In der Ukraine sprechen Kinder ihr erstes Wort im Lärm der Sirenen. In Gaza stirbt die Zukunft mit jeder Entschuldigung, die gestern zur Legitimation diente. Im Sudan verhungern ganze Dörfer, weil es niemanden mehr interessiert. Und im Iran explodieren nicht nur Anreicherungsanlagen; Leben werden ausgelöscht. Familien. Möglichkeiten. Während Diplomaten Protokolle austauschen und Ministerpräsidenten den „entscheidenden Moment“ feiern, frage ich mich: Was feiern wir da eigentlich? Den Verlust eines Feindes? Oder das langsame Verblassen eines „Wir“ in der Weltgemeinschaft? Der Mensch hat den Mond betreten, das Genom entschlüsselt, künstliche Intelligenzen erschaffen – aber es scheint, wir sind nie aus dem Schützengraben gestiegen. Vielleicht, weil wir vergessen haben, dass Stärke nicht im Erstschlag liegt, sondern im Letztverzicht. Wir müssen reden. Über Abschreckung, ja. Aber auch über Mitgefühl. Über die Rückkehr der Vernunft in eine Welt, die sich in Frontlinien denkt. Ich habe keine Lösung – aber einen Wunsch: Dass wir wieder lernen, uns weniger als Bedrohung und mehr als Verantwortung füreinander zu sehen. Denn wenn jedes Land zum Pulverfass wird, reicht ein Funke. Und dann ist keiner mehr da, der fragt, ob er es gewesen ist.
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