Die Agrar- und Handelspolitik der letzten Jahre hat einen Zustand geschaffen, der für viele Bürger längst nicht mehr nachvollziehbar ist. Während unsere heimischen Bauern unter immer höheren Auflagen, steigenden Kosten und wachsender Bürokratie leiden, werden gleichzeitig Lebensmittel und Nutztiere quer durch Europa transportiert, als gäbe es keine regionalen Alternativen. Warum werden Rinder von Österreich nach Spanien transportiert, Schweine durch mehrere Länder gefahren und Fleisch anschließend wieder nach Österreich geliefert? Wer profitiert von diesem absurden System? Sicher nicht die Konsumenten, nicht die Umwelt und schon gar nicht unsere Bauern. Tagtäglich rollen Tausende Lkw über Europas Straßen. Sie verursachen Staus, belasten die Umwelt und erhöhen die Kosten entlang der gesamten Lieferkette. Gleichzeitig verlieren die Menschen immer mehr den Überblick darüber, woher ihre Lebensmittel tatsächlich stammen. Dabei verfügt Österreich über leistungsfähige Landwirte, Viehzüchter sowie Obst- und Gemüsebauern, die hochwertige Lebensmittel produzieren. Eine verantwortungsvolle Politik müsste alles daran setzen, diese Betriebe zu stärken, anstatt durch internationale Handelsstrukturen die Abhängigkeit von Importen weiter auszubauen. Besonders widersprüchlich ist die Herkunftskennzeichnung. Unsere Bauern müssen jeden Futtersack dokumentieren und jede Tierbewegung nachweisen. Doch wenn Lebensmittel schließlich auf den Tellern der Konsumenten landen, wird oft argumentiert, die Herkunftsangabe sei zu aufwendig. Das ist nicht glaubwürdig. Auf Lieferscheinen und Begleitdokumenten ist die Herkunft von Fleisch, Milchprodukten, Eiern, Obst und Gemüse längst festgehalten. Die Informationen existieren bereits. Es fehlt lediglich der politische Wille, diese Transparenz konsequent umzusetzen. Wer Transparenz fordert, sollte sie auch selbst vorleben. Deshalb stellt sich auch eine grundsätzliche Frage an die Politik: Warum werden von Bauern, Handwerkern und Arbeitnehmern ständig neue Nachweise, Kontrollen und Dokumentationen verlangt, während die Leistungen politischer Entscheidungsträger oft nur schwer nachvollziehbar sind? Die Bürger haben ein Recht darauf zu erfahren, welche Entscheidungen getroffen werden, welche Ziele verfolgt werden und welche konkreten Ergebnisse daraus entstehen. Verantwortung darf keine Einbahnstraße sein. Unsere Bauern sichern die Versorgung des Landes. Sie schaffen Arbeitsplätze, erhalten unsere Kulturlandschaft und tragen wesentlich zur regionalen Wertschöpfung bei. Sie verdienen faire Rahmenbedingungen, Planungssicherheit und politische Unterstützung, nicht immer neue Belastungen. Wer regionale Lebensmittel, kurze Transportwege und Versorgungssicherheit ernst nimmt, muss die heimische Landwirtschaft stärken und die Herkunft von Lebensmitteln offenlegen. Österreich braucht eine Politik, die zuerst an die eigenen Produzenten denkt. Lasst unsere Lebensmittel im eigenen Land!
Hans-Peter Hauer, Haid
Erschienen am So, 7.6.2026
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