Das freie Wort

„Wie könnt ihr es wagen!“

„Wie könnt ihr es wagen!“ Diesen Satz schleuderte uns, der älteren Generation, 2019 die damals 16-jährige Greta Thunberg voller Verachtung ins nicht mehr ganz taufrische Gesicht. Zu ihrer Verteidigung ist vorzubringen, dass sie durch das Asperger-Syndrom eine verzögerte Entwicklung aufwies und sich sozusagen mitten in der Pubertät befand. Sie deklarierte sich ja bezeichnenderweise selbst als Kind. Jeder, der einst Teenager in seinem Haus hatte, weiß, was das bedeutet. Nämlich mit einem unfertigen Menschen zurechtkommen zu müssen, der sich rotzfrech aufführt, Autorität prinzipiell ignoriert und sich trotzdem permanent ungerecht behandelt fühlt. Gut, lassen wir das einmal so stehen. Abgesehen davon, dass die Nachkriegsgeneration gezwungen war, früher erwachsen zu werden, und früher aus dem Nest flog, falls überhaupt vorhanden, lebten wir schon gezwungenermaßen äußerst ressourcenschonend. Unsere gesamte Garderobe hätte in einem Reisekoffer von normaler Größe Platz gefunden. Freizeit- bzw. Sportbekleidung gab es nicht, es gab Sonntags- und Alltagskleid, basta. Elektronik, davon wusste man nicht einmal, was das war. Selbst Staubsauger, Kühlschrank, Waschmaschine waren Luxusartikel. Zum Fernsehen gingen die Erwachsenen ins Gasthaus. Später, wenn man Glück hatte, durfte man bei einem der wenigen Privathaushalte, die sich den Luxus eines Fernsehgerätes leisten konnten, einmal in der Woche den Kasperl anschauen. Später dann, nach früher Eheschließung und Kinderkriegen, hatte man genug zu kämpfen, um sich halbwegs einzurichten und auf Raten vielleicht ein kleines Auto anschaffen zu können. Erste Urlaube in diesem, zu viert an die Adria, das war schon was. In dem Alter haben viele von den Jungen bereits den Erdball umrundet und alle Erdteile gesehen. Zugegeben, es kam die Zeit, als es uns dann auch etwas besser ging, wir gönnten uns auch das ein oder andere über die absolute Notwendigkeit hinaus, trotzdem liegt uns Verschwendung immer noch fern, wir kennen den Verzicht und wissen, wie es ist, nichts zu haben. Jetzt im Alter, da das Lebensumfeld für viele von uns immer kleiner wird, tragen wir, ob wir wollen oder nicht, noch immer weniger zum Klimawandel bei als die Nachfolgegenerationen. Oftmals, zugegebenermaßen, was aber an den Tatsachen nichts ändert, eher „der Not gehorchend, nicht dem eignen Triebe“.

Eva Schreiber, Traiskirchen

Erschienen am Di, 1.12.2020

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