Das freie Wort

In der Test-Falle

Wir alle sehnen uns nach guten Nachrichten. Aber normalerweise will keiner belogen werden. Erst recht nicht in einer Krise. Und schon gar nicht, wenn es um die Gesundheit von uns allen geht. Die Corona-Massentests scheinen derzeit in aller Munde. Nahezu alle Politiker und Medien malen sie förmlich als Zauberei an die Wand. Doch auch hier sind wir besser beraten, auf namhafte Virologen zu hören, die uns schon seit Monaten überzeugt haben, denn auf Politiker, die leider meist nur auf die Wirtschaft schauen. Denn auch rund um diese Schnelltests gilt es die Frage zu klären, ob sie denn tatsächlich so verlässlich sind, wie uns ihre Hersteller vermitteln wollen. Idealerweise, bevor man sie als Staat um extrem viel Steuergeld kauft, um sie als Massentests einzusetzen. Denn wenn ich nur schnell und gleichzeitig äußerst ungenau testen kann, bringt mir das weder als Land noch als einzelner Bürger etwas. Die Zahl der Anbieter explodiert. Mehr als 200 verschiedene Schnelltests gibt es mittlerweile auf dem Markt. Ehrlich gesagt sollte uns allein das schon stutzig machen. Denn Masse bedeutet nicht automatisch Klasse. „Die Qualität zeigt tatsächlich deutliche Unterschiede“, sagt der Virologe Hans-Georg Kräusslich vom Universitätsklinikum Heidelberg. Auch Untersuchungsergebnisse der renommierten Berliner Charité mahnen uns zur Vorsicht. Hauptkritikpunkt ist auch hier die Ungenauigkeit. Mit den Antigen-Tests lassen sich Menschen mit einer sehr hohen Virenkonzentration sehr gut erkennen. Das heißt gleichzeitig aber auch, dass alle anderen durchrutschen und das Virus weiter ungehindert verbreiten. Das heißt aber auch noch, dass ein negatives Testergebnis eine trügerische Sicherheit sein kann. Was wiederum deutlich macht, was ohnehin die meisten Gesundheitsexperten sagen. Schnelltests erweitern unseren Handlungsspielraum, weil sie die hochinfektiösen Menschen sehr gut erkennen. Sie machen aber nur dann Sinn, wenn man sie wöchentlich wiederholt. Und sie als gleichwertigen Ersatz für PCR-Tests einzusetzen wäre fatal. Und wieder einmal steht für mich fest: Während einer Pandemie vertraue ich lieber jenen Gesundheitsexperten, deren Glaubwürdigkeit schon bisher von der Realität untermauert wurde. Und mit Sicherheit keinem Politiker.

Christian Stafflinger, Linz

Erschienen am Di, 1.12.2020

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