Das freie Wort

Dritter Lockdown wirft seine Schatten voraus

In der Sonntags-„Krone“ vom 22. 11. wurde in der Frage des Tages nach der Befürchtung eines weiteren Lockdowns gefragt. 87% stimmten mit Ja. Ich lehne mich nicht weit aus dem Fenster, wenn ich behaupte, ich befürchte nicht nur, ich bin mir sogar gewiss, dass nach den Feiertagen ein weiterer Lockdown ins Haus steht. Schon George Bernard Shaw meinte: „Wir lernen aus Erfahrung, dass die Menschen nicht aus Erfahrung lernen.“ Im Frühjahr wurden wir von den Ereignissen überrascht und geschockt. Die Bevölkerung hielt sich an die Regeln, die Maßnahmen der Regierung trugen Früchte, die Infektionszahlen gingen zurück. Österreich hatte quasi Corona im Griff. Österreichs Regierung wurde ob ihres raschen und konsequenten Handelns gelobt. Aber – wie es halt so ist, es kann nicht sein, was nicht sein darf. Es darf keinesfalls sein, dass Kurz, Anschober und Co. alleine den Ruhm einstreichen und die Opposition und ihre Unterläufer so gar nicht in der Sonne stehen. Und so begann das liebste Spiel in Österreichs Politik. So nicht, mit uns keinesfalls, da könnte jeder kommen. Das Ergebnis ist bekannt, es wurden Klagen eingebracht, Demonstrationen veranstaltet, Corona-Partys abgehalten, die Aufhebung der Maßnahmen wie auch die Öffnung der Grenzen wurden gefordert. Man wolle schließlich den gewohnten Urlaub genießen und Spiel und Spaß frönen. Und es kam, wie es kommen musste. Im Herbst stiegen die Infektionen explosionsartig an, der zweite Lockdown war im Anrollen. Und nun zur Gegenwart: Offenbar aus Angst vor der eigenen Courage wurde von der Regierung vorerst mit einem Lockdown light agiert. Gebetsmühlenartig wurde von den Verantwortlichen, vom HBP abwärts, auf die Eigen- und Mitverantwortung hingewiesen und an den Hausverstand appelliert. Und das Spiel begann von Neuem. Mit mir nicht, so sicher nicht, auf keinen Fall. So der Tenor der Opposition und der gesinnungstreuen Experten. Spiel bekannt – was folgt: harter Lockdown. Und wieder sucht man Schlupflöcher in den Regelungen, um sich in seiner „Freiheit“ ja nicht einschränken zu lassen. Und wieder werden Appelle ignoriert, ebenso muss natürlich Tage vor dem Beginn des Lockdowns noch exzessiv shoppen gegangen werden. Und schon tönt es wieder: Was ist mit den Adventfeiern? Was mit den Märkten? Was ist mit Weihnachten? Man kann bereits aus den diversen Wortmeldungen erkennen, dass ab dem 7. Dezember die Maßnahmen aufgehoben werden und alles seinen gewohnten Gang nimmt. Und was kommt dann? Die Frage ist einfach zu beantworten. Das Theaterstück ist das gleiche, die Akteure sind die gleichen. Was soll sich ändern? „Wer in der Zukunft lesen will, der muss in der Vergangenheit blättern“ (André Malraux). Der dritte Lockdown wirft seine Schatten voraus.

Harald Neschkudla, Wien

Erschienen am Do, 26.11.2020

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