Michael (4), Bernadette (8) und Peter Strachwitz (11) aus Judendorf Straßengel - die Buben in zünftiger Lederhose, das Mäderl im standesgemäßen Dirndl - agierten als Begrüßungskomitee, als ob es das normalste auf der Welt wäre, hohen Staatsgästen Blumen in die Hand zu drücken. Und das "Welcome Excellency" kam mit heller Stimme, ohne jede Nervosität heraus. So was bricht natürlich von Anfang an das Eis.
Einer kam im Auto
Der erste Präsident, der seinen Fuß auf Thalerhof-Grund setzte, war übrigens die einzige Präsidentin beim Treffen, Tarja Halonen aus Finnland. Das war genau um 11.15 Uhr. Dann tröpfelten der Reihe nach die Jets mit den jeweiligen Präsidenten aus Italien, Deutschland, Portugal, Lettland ein. Lech Kaczynski, polnisches Staatsoberhaupt, machte dann quasi als letzter Ankömmling die Nachhut. Und Ungarns Laszlo Solyom reiste überhaupt steuerschonend mit dem Auto in die steirische Landeshauptstadt.
Sämtliche Staatsgäste sind im Grazer Grandhotel Wiesler untergebracht, und dorthin ging es auch vom Flughafen. Nach kurzer Pause zum Frischmachen starteten die Präsidenten im penibel eingehaltenen Drei-Minuten-Takt in den Weißen Saal der Grazer Burg, wo sie durch Bundespräsident Heinz Fischer begrüßt wurden.
Verkehrsbehinderungen durch die Konvois hielten sich dabei in Grenzen. Zuerst war übrigens die finnische Präsidentin an der Reihe, weiter ging es in der gestürzten, alphabetischen Reihenfolge der internationalen Ländernamen - von Suomi bis Germany. Pro Gast drei Minuten. Inklusive dem abschließenden Gruppenbild posierte der Gastgeber genau 21 Minuten.
Arbeitssitzung und Lipizzaner-Programm
Danach wartete im Nebensalon auch schon die Arbeit. Sitzung zum etwa in Österreich höchst brisanten Thema "Europäische Perspektiven im Lichte des EU-Reformvertrages". Während im Tagungszentrum die politischen Köpfe rauchten, lud "First Lady" Margit Fischer die Gattinnen (und den Ehemann der finnischen Präsidentin) zu einem Besuch bei den "weißen Pferden" in Piber. Da zeigte sich die Steiermark - zumindest wettertechnisch - nicht von ihrer besten Seite. Wolken und leichtes Nieseln konnten der guten Laune aber keinen Abbruch tun. Schließlich wurden ja auch am Abend beim viergängigen Galer-Diner im prunkvollen Planetensaal im Schloss Eggenberg feinste steirische Schmankerln serviert.
Von Gerhard Felbinger, Thomas Bauer und Gerald Schwaiger
Foto: Christian Jauschowetz
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