Strengere Kontrolle
G7-Staaten wollen Finanzkrise überwinden
Vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Finanzkrise stehe die Weltwirtschaft "vor einer schwierigen Periode", heißt es im Abschlusskommunique der Minister. "Die Unruhe auf den globalen Finanzmärkten bleibt eine Herausforderung und ist dauerhafter, als wir erwartet hatten." Die kurzfristigen Wachstumsperspektiven hätten sich "abgeschwächt".
Rasche Umsetzung geplant
Die G-7-Minister kündigten an, die Kernempfehlungen des vom Finanzstabilitätsforum erarbeiteten Regulierungsentwurfs in den nächsten 100 Tagen umzusetzen. "Die rasche Umsetzung sollte nicht nur auf lange Frist die Belastbarkeit des globalen Finanzsystems stärken, sondern auch dabei helfen, Vertrauen zu schaffen", heißt es in der Schlusserklärung. Mehr Transparenz fordern die Minister in dem Beschluss nicht nur von Banken, sondern auch von Ratingagenturen, die ihre Bewertung von Finanzunternehmen stärker differenzieren und ihre Entscheidungen offener begründen sollen.
"Weitere Schlaglöcher"
US-Finanzminister Henry Paulson stimmte seine Kollegen auf dem G-7-Treffen auf anhaltende Probleme in der US-Konjunktur ein. "Auf dem Weg vor uns könnte es weitere Schlaglöcher geben", sagte er. Die vom US-Immobilienmarkt ausgehende Finanzkrise sei noch nicht ausgestanden. Paulson kündigte an, sein Land werde bei der Bewältigung der Krise die enge Zusammenarbeit mit den Partnerländern im Ausland suchen.
Vorschlag überschwenglich begrüßt
Der deutsche Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) äußerte sich "hoch zufrieden" über die geplante Neuregelung. Der Entwurf sei auf der Tagung "überschwänglich begrüßt worden", sagte er nach Abschluss des Ministertreffens. Frankreichs Finanzministerin Christine Lagarde sagte, die G-7-Minister hätten mit der Vereinbarung "den gemeinsamen Willen gezeigt, zu einer andere Funktionsweise der Finanzmärkte zu gelangen". Diese müssten künftig "verantwortungsvoller und transparenter" arbeiten und "weniger unverständliche Finanzprodukte" anbieten.
Der Internationale Währungsfonds (IWF) hatte kürzlich geschätzt, dass sich die weltweiten Wertberichtigungen aus der Immobilien- und Finanzkrise auf beinahe eine Billion Dollar summieren könnten. Steinbrück ließ in Washington allerdings durchblicken, dass er diese Zahl für übertrieben hält. Es sei "nicht hilfreich, Zahlen in die Welt zu setzen, die zur weiteren Verunsicherung beitragen", sagte der SPD-Politiker. Zur Beilegung der gegenwärtigen globalen Finanzkrise, die auf dem US-Immobilienmarkt ihren Ausgang genommen hatte, dürften die von der G-7-Gruppe nun ins Auge gefassten Maßnahmen zu spät kommen.
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