Mord an Journalistin
Mörder von Anna Politkowskaja identifiziert
Einer der leitenden Ermittler in dem Mordfall, Wladimir Markin, bestätigte am Freitag, dass der "eigentliche Täter" nun entlarvt sei, aber noch gefasst werden müsse. Dagegen warnte der Chefredakteur Dmitri Muratow von der regierungskritischen Zeitung "Nowaja Gaseta", für die Politkowskaja gearbeitet hatte, vor der "angeblichen Neuigkeit". "Uns hat der Chef der Ermittlungsgruppe schon am 6. Oktober 2007 den Namen des Mörders genannt", sagte Muratow. Die Ermittler hätten die "angebliche Neuigkeit" nun vor Gericht nur genutzt, um Zeit gewinnen.
"Der Mord ist weiter nebulös. Es sieht so aus, als wollten die Behörden den Mörder gar nicht fassen, oder sie haben Angst, den Fall zu beenden", sagte der Generalsekretär des russischen Journalistenverbandes, Igor Jakowenko. In den vergangenen 15 Jahren seien mehr als 200 Journalisten in Russland getötet worden. Die meisten Fälle seien nie aufgeklärt worden. Erst am vergangenen Wochenende waren innerhalb von zwei Tagen drei Journalisten ermordet aufgefunden.
Vor falschen Erwartungen warnte auch die Menschenrechtlerin Ljudmila Alexejewa von der Moskauer Helsinki-Gruppe. Möglicherweise wolle Moskau vor dem Besuch des US-Präsidenten George W. Bush am 6. April in Russland vortäuschen, dass es der internationalen Forderung nach Aufklärung des Verbrechens nachkomme.
Unter den Beschuldigten ist auch ein Offizier des Inlandsgeheimdienstes FSB, der den Mördern die Moskauer Adresse von Politkowskaja beschafft haben soll. Das Moskauer Gericht verlängerte bei einem Haftprüfungstermin am Freitag die Untersuchungshaft des Offiziers bis zum 21. August. Ende August 2007 hatte Generalstaatsanwalt Juri Tschaika die "Aufklärung des Mordfalls" verkündet. Nach seinen Worten sollen Tschetschenen sowie "Staatsfeinde im Ausland" die Journalistin ermordet haben.
Die 48-jährige Politkowskaja war am 7. Oktober 2006 erschossen worden. Sie berichtete vor allem aus der Teilrepublik Tschetschenien über Menschenrechtsverletzungen durch russische und tschetschenische Sicherheitskräfte. Der Mord löste international Bestürzung aus. Bis heute halten sich Spekulationen, dass die Spuren in den Kreml führen.
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