Doppelt hält besser

Army Of Two

Spiele
19.03.2008 09:35
Salem und Rios sind zwei Söldner, wie sie im Buche stehen: Das Gesicht kantig und vernarbt, die Oberarme dick, immer einen kernigen Spruch auf den Lippen und stets nur das Geld im Sinn. Zusammen ziehen sie in Electronic Arts' "Army Of Two" in die Krisenherde dieser Welt, um den Terroristen das Fürchten zu lehren.

Ob man sich als Spieler nun für Salem oder Rios entscheidet, spielt keine Rolle, denn die beiden sind nur im Doppelpack erhältlich. EA kredenzt mit "Army Of Two" nämlich ein auf Koop-Spiel ausgelegtes Game. Während man online oder via Splitscreen dabei auf menschliche Mitspieler zurückgreifen kann, muss man sich in der Einzelspieler-Kampagne mit einem computergesteuerten KI-Mitstreiter zufrieden geben.

Einziger Unterschied: In der Einzelspieler-Kampagne können dem Kompagnon direkte Befehle erteilt werden. Mit einem Klick auf das digitale Steuerpad sammelt sich der Söldner, rückt vor oder hält die Stellung. Unterschieden wird dabei zwischen einer aggressiven und einer defensiven Vorgehensweise. Das ist deshalb so wichtig, weil EA mit "Army Of Two" das "Aggro"-Prinzip einführt (daher wahrscheinlich auch die Masken bei den Protagonisten).

"Aggro" bezeichnet streng genommen den Aufmerksamkeitslevel des Gegners: Wer wie wild ballert und ein Magazin nach dem nächsten auf den Feind entleert, zieht unweigerlich die Aufmerksamkeit desselbigen auf sich. Das klingt vordergründig nach einer ziemlich dummen Taktik, erlaubt es bei steigendem "Aggro-Level" aber dem Mitstreiter, sich über die Flanke nahezu ungesehen den Widersachern zu nähern und diese so hinterrücks kalt zu stellen.

Von dieser spieldominierenden Taktik einmal abgesehen, hält "Army Of Two" einige weitere Aktionen parat, in denen der Spieler mit seinem Partner – real oder virtuell – gemeinsam agieren muss, etwa bei der klassischen Räuber-Leiter, um in andere Stockwerke zu gelangen, beim Simultan-Snipen, um entfernt liegende Ziele gleichzeitig auszuschalten, oder wenn einer der beiden Söldner eine Autotür als Schutzschild benutzt, um dem schießend dahinter stehenden Kameraden Deckung zu geben. Kommt es hart auf hart, stellen sich Salem und Rios sogar Rücken an Rücken, um kreisförmig um sich zu ballern.

Sollte einer der beiden dabei zu Boden gehen, was dank der durchaus intelligent und aus der Deckung heraus agierenden Gegner des Öfteren vorkommt, kann der andere Sanitäter spielen und den bewegungsunfähigen Gefährten am Kragen packen, um ihn zur nächsten Deckung zu zerren.

Damit es aber gar nicht erst so weit kommt, können die Söldner mit allerlei Schießprügeln ausgerüstet werden. Für jedes erfüllte Missionsziel wandert ein Batzen Geld auf das eigene Konto, mit dem dann beim Waffenhändler des Vertrauens auf Shopping-Tour gegangen werden kann. "Army Of Two" unterscheidet zwischen Primär-, Sekundär- und Spezialwaffen, die gegen das nötige Kleingeld in den unterschiedlichsten Bereichen verbessert werden können. So lassen sich Sturmgewehre etwa mit Schalldämpfern, größeren Magazinen, neuen Kolben und Griffen sowie einem Schutzschild upgraden. Wer zu viel Geld hat, kann jede Waffe durch "Pimpen" auch mit Gold und anderem Schnickschnack optisch veredeln.

In audiovisueller Hinsicht präsentiert sich der Titel auf recht hohem Niveau. Vor allem die Animationen des Third-Person-Shooters sowie die abwechslungsreich gestalteten Level – vom staubigen Irak über einen Flugzeugträger bis ins sonnige Miami – können sich sehen lassen. Ganze Arbeit wurde aber vor allem bei den grafisch mehr als aufwändigen Zwischensequenzen geleistet. 

Dennoch muss sich "Army Of Two" auch einiges an Kritik gefallen lassen: So ist der Spielumfang der Kampagne mit gerade einmal sechs Missionen eindeutig zu kurz ausgefallen, das ständige Über-die-Flanke-Spiel ist zudem auf Dauer nur wenig originell, das Gefluche der Gegner wiederholt sich zu oft und im Nahkampf ist der eigene Held nahezu chancenlos.

Die Solo-Kampagne ist jedoch nicht alles, hält "Army Of Two" doch zu guter Letzt noch diverse Multiplayer-Modi parat. Während im "Duell" zwei gegnerische Teams um die dicke Kohle kämpfen, steht im "Kriegsgebiet" die Zerstörung bzw. Verteidigung wichtiger Ziele im Vordergrund. Im Modus "Abholung" dreht sich schließlich alles um die Rettung verletzter Verbündeter: Während man selbst versucht, Geiseln zu eskortieren, wird man vom Gegner unter Beschuss genommen - und umgekehrt.

Fazit: "Army Of Two" wartet mit vielen neuen und durchaus erfrischenden Ideen auf, die jedoch erst im Spiel mit einem lebendigen Mitspieler ihr volles Potenzial entfalten. Einzelspieler werden aufgrund der viel zu kurzen Kampagne und einer nur leidig funktionierenden Kameraden-KI demnach nur bedingt ihre Freude an diesem Titel haben, wenngleich die Möglichkeit des "Waffen-Pimpens" durchaus Laune macht. Alles in allem ein Titel, der gute Ansätze bietet, allerdings hinter den Erwartungen zurückbleibt und daher vor dem Kauf sicherheitshalber Probe gespielt werden sollte.

Plattform: PS3 (getestet), Xbox 360
Publisher: Electronic Arts
Krone.at-Wertung: 77%


von Sebastian Räuchle

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