Die Erdbewohner haben sich in zwei Lager gespalten: Die letzten Menschen haben sich unter dem Banner der Federals nach jahrhundertelangen Kriegen in den letzten verbliebenen Dome gerettet, eine schützende Kapsel inmitten der verseuchten Wüste. Dabei haben sie viele verraten und zurückgelassen. In der lebensfeindlichen Umgebung wurden die Ausgestoßenen zu den Raak-Zun, einer mutierten, gewalttätigen Rasse. Nicht genug, dass sich die beiden Parteien bekämpfen, treten auch noch die geheimnisvollen Roboter namens Sentinel vom Planeten Elysium auf den Plan und bekämpfen beide Seiten mit Hilfe überlegener Technik - warum, soll noch nicht verraten werden...
Der Spieler startet mit Kommandant Ethan, der Hauptfigur in den Federals-Kampagnen. Nach einer Patrouille in den Wastelands erwartet ihn im Dome das Chaos - Raak-Zun sind eingedrungen. Nach und nach muss er Boden gutmachen und herausfinden, wo die Invasion ihren Ausgangspunkt hat. Seine Anweisungen samt Tipps erhält er von General und Chief, mit denen er allerdings so einige interne Querelen auszutragen hat. In den ersten Missionen wird der Spieler so langsam an die Spielmechanik herangeführt, die am Anfang gelinde gesagt gewöhnungsbedürftig ist.
Das liegt vor allem daran, dass jede Einheit eine gewisse Sichtweite und Waffenreichweite besitzt. Werden Truppen von außerhalb ihrer Sichtweite beschossen, bleiben sie einfach stehen ohne sich zu wehren oder zurückzuziehen. Hier ist rasche Reaktion des Spielers gefragt oder die Truppe ist Geschichte. Außerdem kann nicht direkt angegriffen werden, die Kämpfer müssen in Reichweite des anzugreifenden Gegners oder Gebäudes platziert werden und beschießen anschließend selbstständig.
Um im Kampf nicht völlig den Überblick zu verlieren, sollte jeder Einheit genreüblich ein Kürzel von 0-9 zugeordnet werden. Das reicht jedoch schon nach den ersten Kampagnen nicht mehr, denn die Truppengröße ist beschränkt - maximal 25 Fußsoldaten, höchstens zehn Panzer oder große Roboter. Das heißt, dass nicht alle Einheiten einer Waffengattung zu einer Truppe zusammengefasst werden können - denn wer zieht schon nur mit 25 Fußsoldaten in den Krieg? Der Spieler jongliert also mit zwei oder drei Truppen einer Waffengattung - ärgerlich genug. Noch schlimmer, dass verschiedene Einheiten (zum Beispiel Sklaven und Cyborgs) nicht zu einer Truppe gruppiert werden können.
Dieser Ansatz ist von den Entwicklern bewusst gewählt worden, erzählte Pfneudl bei der Präsentation von "SunAge". Strategie ist gefragt, einfach mit einer möglichst bunten Mischung an Einheiten in einer Truppe loszuziehen, wäre zu einfach, so die Erklärung. Im Game sieht die Sache natürlich anders aus, denn besonders bei großen Angriffen ist es unabdingbar, mit möglichst vielen verschiedenen Einheiten anzugreifen.
Nützlich ist dagegen die Möglichkeit, einen Gegner oder ein Gebäude zu taggen, das von der gesamten Einheit anschließend als primäres Ziel erkannt wird. Besonders sinnvoll ist diese Funktion, um als erstes Kommandanten oder Sklavenmeister auszuschalten, die ihrer Einheit mehr Kampfstärke verleihen.
In den späteren Missionen - der Gamer spielt sich von den Kampagnen der Federals über die Raak-Zun bis zu den Sentinel - artet "SunAge" wegen der beschränkten Truppengröße des Öfteren zu einer Klickorgie sondergleichen aus. Vor den großen Angriff setzt die Echtzeitstrategie allerdings wie üblich den Basisaufbau, deshalb laufen viele Kampagnen nach einem Schema ab: Gegend erkunden, ersten Widerstand durchbrechen, mindestens eine von vier Ressourcen finden, Einheiten produzieren und eine Basis auf- und ausbauen sowie verteidigen. Danach folgt meist der Befehl zur Vernichtung des Gegners.
Nichts desto trotz sind die Kampagnen abwechslungsreich gelungen, sie enthalten jede Menge unerwartete Wendungen in Form von gezeichneten Zwischensequenzen, die trotz statischer Comic-Optik erstaunlich dynamisch sind und den Gamer in die Hintergrundgeschichte ziehen. Diesen Umstand hat "SunAge" vor allem den (englischen - mit Untertiteln) Sprechern zu verdanken. Dazu kommt, dass sich die drei Rassen in der Spielweise voneinander unterscheiden und jede Einheit zwei Kampfmodi besitzt, was viele taktische Möglichkeiten bietet. Schade nur, dass der Gamer nicht zwischen den Rassen wechseln kann - er muss erst alle Kampagnen eines Volkes beenden um zum nächsten zu gelangen.
Gebäudebau und Ressourcengewinnung gehen auch weniger Geübten leicht von der Hand. Wichtig ist, dass jedes Gebäude für die Stromversorgung mit dem Kommandokomplex verbunden sein muss. Das geschieht, indem direkt an den Komplex oder ein Gebäude, das an ihn angeschlossen ist, angebaut wird oder mittels Transmitter, der über weite Strecken hinweg Energie liefert. In vielen Missionen ist es daher überlebenswichtig, entweder die eigenen Transmitter zu schützen oder die des Gegners lahmzulegen, um Teile seiner Verteidigung auszuschalten.
Beim Test tauchten zwei ärgerliche Bugs auf (Hilfe bietet in solchen Fällen das an die Homepage des Games angeschlossene Forum), nicht nur deshalb ist regelmäßiges Speichern unabdingbar. Zweiter Grund ist der überaus knackige Schwierigkeitsgrad: Drei stehen zur Auswahl, ein "extra leichter" soll laut Entwickler Pfneudl eventuell noch folgen. Schon die Missinterpretation des nächsten Auftrags, gepaart mit Überschätzung der eigenen Truppenstärke, kann zum virtuellen Exitus führen. Die jeweilige Hauptfigur muss in jedem Fall überleben, sonst ist die Kampagne gescheitert. Das ist bei unübersichtlichen Massenschlachten - wo der Gamer wie beschrieben schon genug damit zu tun hat, seine Truppen im Auge zu behalten und die Klickorgie zu organisieren - eine recht hakelige Aufgabe. Immerhin überlebt der Kommandant als letzter seiner Einheit, doch wird er dann nicht aus der Schusslinie geholt oder erhält neue Truppen, ist auch seine Zeit gekommen.
Zur Grafik ist wohl lediglich zu sagen, dass man ihr ansieht, wie lange das Game entwickelt wurde. Wirklich störend ist das jedoch nicht, da Echtzeitstrategie auch ohne 3D funktioniert und Retro ja immer irgendwie in ist. Die Effekte sind gelungen, wenn auch nicht spektakulär - dafür braucht sich wohl niemand mit einem auch nur annähernd aktuellen Rechner Sorgen darüber machen, ob "SunAge" auf seinem PC flüssig läuft.
Fazit: Der knackige Schwierigkeitsgrad und die gewöhnungsbedürftige Steuerung der Truppen machen "SunAge" ab der Hälfte der Federals-Kampagne zu einem - vor allem gegen Ende jeder Mission - recht hektischen Erlebnis. Dass der Spieler mehrere verschiedene Einheitentypen nicht zu einer Truppe zusammenzufassen kann, ist ärgerlich. Trotz dieser Mankos ist dem Game der "Nur noch fünf Minuten"-Suchtfaktor nicht abzusprechen. Wer sich auf das Spiel einlässt und mit der indirekten Steuerung anfreundet, wird gefesselt. Und wer nicht gerne allein spielt, darf sich auf den Multiplayer-Modus stürzen.
Plattform: PC
Publisher: dtp
Krone.at-Wertung: 70%
von Bernadette Geißler
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