Acht tote Studenten
Blutiger Anschlag auf Talmudschule in Jerusalem
Der Chefintendant des Hamas-Radiosenders Al Aksa, Ibrahim Daher, erklärte am Freitagnachmittag, er habe das ursprüngliche Bekenntnis auf der Basis von verwirrenden Informationen verbreitet. Das sei jedoch verfrüht gewesen. Der Sprecher der militärischen Hamas-Flügels, Abu Obeida, bestätigte, dass seine Gruppe keine Verantwortung für den Anschlag mit acht Toten übernehme - zumindest nicht zum gegenwärtigen Zeitpunkt: "Diese Ehre fällt uns vorerst nicht zu", erklärte Obeida.
Zehn Personen verhaftet
Die Polizei hat am frühen Freitagmorgen das Haus des 26-jährigen Attentäters durchsucht und zehn Personen verhaftet. Bei den Festgenommenen handelt es sich laut Zeugen um Angehörige und Freunde des Attentäters. Ein Sprecher gab an, dass ein Auto gefunden worden sei, das "in direktem Zusammenhang mit dem Terroristen" stehe. Die Untersuchungen würden fortgesetzt.
Westjordanland abgeriegelt
Als Reaktion auf den Anschlag riegelte die israelische Armee das von Israel besetzte Westjordanland vorübergehend vollständig ab. Die Blockade gelte bis zum Samstagabend, sagte ein Militärsprecher. Palästinensern würde nur aus "humanitären Gründen" gestattet werden, nach Israel zu reisen.
In Jerusalem haben unterdessen die Trauerfeierlichkeiten für die acht Studenten begonnen, die am Vortag bei dem Anschlag ums Leben kamen. Die acht getöteten Studenten im Alter zwischen 15 und 26 Jahren sollten noch am Freitag beigesetzt werden. Der Gesundheitszustand von drei der insgesamt elf Verletzten ist weiterhin kritisch. Die israelische Friedensbewegung rief zu einem Waffenstillstand und zum Ende des blutigen Kreislaufs aus Gewalt und Gegengewalt auf.
Massaker in der Bibliothek
Der als Jude verkleidete Angreifer war laut Polizeisprecher Micky Rosenfeld am Donnerstag in die Bibliothek der Religionsschule eingedrungen, wo sich etwa 80 Menschen befanden. Er war mit einer automatischen Waffe und einer Pistole bewaffnet und schoss wild um sich. Augenzeugen sagten im Fernsehen, die Schießerei habe mindestens zehn Minuten gedauert. Der Leiter des Rettungsdienstes Zaka, Yehuda Meshi Sahav, betrat nach der Tat die Schule und berichtete: "Das ganze Gebäude sieht wie ein Schlachthaus aus."
Keine UNO-Resolution
Zahlreiche Regierungen haben den blutigen Anschlag scharf verurteilt. Der UNO-Sicherheitsrat konnte sich hingegen nicht auf eine gemeinsame Haltung einigen. Das höchste Gremium der Vereinten Nationen ging in der Nacht auf Freitag nach zweistündigen Beratungen ohne Ergebnis auseinander.
Abbas verurteilt den Anschlag
Es war der erste Anschlag militanter Palästinenser seit über vier Jahren in Jerusalem. Vor dem fünfstöckigen Gebäude skandierte die Menschenmenge am Abend "Tod den Arabern". Der palästinensische Präsident Mahmud Abbas verurteilte den Anschlag. Dagegen lobte die radikale Hamas-Organisation, die den Gazastreifen regiert, die Tat. In Gaza strömten tausende Palästinenser auf die Straße. Viele feuerten Freudenschüsse in die Luft. Erst wenige Tage zuvor hatte die israelische Armee eine Militäraktion im Gazastreifen beendet, bei der über 120 Palästinenser getötet wurden.
Die 1924 gegründete Talmudschule (Yeshiva) Mercaz Harav im Viertel Kiryat Moshe ist ein bekanntes religiöses Studienzentrum und gilt als Kaderschmiede jüdischer Siedler. Im vergangen Jahr gab es in Jerusalem keine Anschläge militanter Palästinenser. Die israelischen Sicherheitskräfte haben erklärt, viele Attentate vereitelt zu haben.
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