Joseph Turok, so der vollständige Name des kantigen Mannes mit dem flotten Irokesen-Schnitt, war einst selbst Mitglied des Wolfrudels, ehe er sich der Spezialeinheit Whiskey Company anschloss. Nun soll der Überläufer seinem einstigen Mentor Roland Kane und dessen Gefolgschaft gegenübertreten und das Handwerk legen.
Doch das Vorhaben geht gründlich schief, denn beim Anflug auf den von Kane besiedelten Planeten gerät Turoks Raumschiff unter Beschuss und stürzt ab. Die wenigen Überlebenden müssen bald schmerzvoll feststellen, dass sie es nicht nur mit den Terroristen des Wolfrudels zu tun bekommen, sondern auch mit T-Rex, Velociraptor und anderen aus Spielbergs "Jurassic Park" bekannten Zeitgenossen zu tun bekommen.
Doch Turok wäre nicht die alte Indianersocke, wenn er damit nicht umzugehen wüsste. Anfangs nur mit einem Messer bewaffnet, schlitzt er sich durch die schlauchartigen Dschungel-Level, ehe ihm schon bald darauf auch der berühmte Bogen und diverse Blei spuckende Freunde in die Hände fallen. Im Vergleich zu bisherigen Turok-Titeln fällt das Waffenarsenal zwar recht überschaubar aus, dafür kann Joseph neuerdings jedoch mit zwei Wummen gleichzeitig feuern.
Abgesehen von kleineren Quick-Time-Events, in denen der Spieler wie wild an Knöpfen und Schultertasten rüttelt, um Turok aus den Fängen eines Dinosauriers zu befreien, wäre das Spielprinzip damit allerdings auch schon ausreichend erläutert. Selbst die zu Beginn noch in Flashbacks halbwegs spannend erzählte Hintergrundgeschichte verliert schnell an Fahrt. Was bleibt, ist ein geradliniger und irgendwie uninspiriert wirkender Shooter.
Das gilt auch für die Grafik, die zwar keinesfalls schlecht ist, aber auch trotz Verwendung der Unreal-3-Engine nicht so recht überzeugen will. Während die üppige Vegetation mit ihren sich wiegenden und biegenden Grashalmen und den mitunter gewaltigen Dinos durchaus zu gefallen weiß, versinken vor allem die Innen-Level mit ihren grauen Gängen und die viel zu dunklen Höhlenabschnitte in optischer Tristesse. Sound und Musik könnten da schon eher überzeugen, wenn doch die deutschsprachigen Dialoge nur nicht so stumpfsinnig ausgefallen wären und den Spieler mit fast jedem Satz an einen drittklassigen Hollywood-Actionstreifen erinnern würden.
Sehen lassen kann sich hingegen die KI der gegnerischen Truppen, die Turok mitunter schwer zu schaffen macht. Das wäre alles halb so schlimm, wenn die Speicherpunkte des Spiels nicht so ungünstig gesetzt worden wären. Während bei einfachen Passagen ohne Gegner binnen kürzester Zeit mehrmals zwischengespeichert wird, wird bei fordernden Abschnitten fast gänzlich darauf vergessen. Der Frust lässt so nicht lange auf sich warten.
Mit dem Mehrspieler-Modus für bis zu 16 Spieler macht der Titel jedoch noch einmal Punkte gut. Bei den gebotenen Spielmodi gibt es zwar keine wirklichen Überraschungen, dafür eignet sich das Szenario mit den wilden und unkontrollierbar zuschnappenden Riesenechsen wunderbar für ein paar Schusswechsel mit Freunden. Zusätzlich bietet "Turok" auch noch einen 4-Spieler-Koop-Modus, in dem allerdings nicht die vollständige Einzelspieler-Kampagne gespielt werden kann, sondern lediglich drei eigens für diesen Zweck gestaltete Karten.
Fazit: "Turok" ist, um es kurz zu machen, nur Durchschnittsware und somit ein Titel, den man haben kann, aber keinesfalls haben muss. Paläontologen und Multiplayer-Spieler dürfen einen Blick darauf werfen, alle anderen sollten vorher sicherheitshalber die Demo spielen.
Plattform: PS3 (getestet), Xbox 360
Publisher: Disney Interactive
Krone.at-Wertung: 70%
von Sebastian Räuchle
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