Eishallen-Prozess
Bau in Reichenhall begann ohne Genehmigung
Demnach hätte mit den Bauarbeiten nur angefangen werden dürfen, wenn eine geprüfte Baustatik in den Unterlagen gewesen wäre. Bei den Verteidigern der Angeklagten machte das Wort vom "Schwarzbau" die Runde. Die Vorwürfe richten sich damit immer stärker gegen Verantwortliche der oberbayerischen Stadt, die aber selbst nicht auf der Anklagebank sitzen.
In dem Verfahren müssen sich drei Bauingenieure und Architekten wegen fahrlässiger Tötung verantworten. Den Männern im Alter zwischen 54 und 67 Jahren werden Fehler und Mängel beim Bau beziehungsweise der Begutachtung der Halle vorgeworfen. Das Verfahren gegen den einzigen städtischen Angeklagten, den damaligen Vize-Stadtbaumeister, wurde kurz vor Prozessbeginn abgetrennt, weil der 71-Jährige dringend operiert werden muss.
Bei der Katastrophe am 2. Jänner 2006 waren zwölf Kinder und Jugendliche sowie drei Erwachsene ums Leben gekommen. Sechs Menschen wurden schwer verletzt.
Ex-Bauamtleiter im Kreuzverhör
Die Vernehmung des als Zeuge geladenen 87-jährigen früheren Leiters des Bauamtes von Bad Reichenhall geriet am Montag zu einer Beschuldigtenvernehmung und glich zeitweise einem Kreuzverhör. Der Architekt räumte auf Fragen des Gerichts ein, dass die Stadt als Bauherrin der Eissporthalle auch selbst die Bauaufsicht und -kontrolle innehatte - mit teils identischem Personal.
"Das war sozusagen in einer Hand", sagte der 87-Jährige, der ansonsten von "Erinnerungslücken" bezüglich der mehr als 35 Jahre zurückliegenden Vorgänge sprach. Allerdings gab sich der Stadtbaurat überzeugt, dass seinerzeit eine geprüfte Baustatik vorgelegen habe. Er verwies dazu auf Schriftstücke in den Akten.
Wurden wichtige Unterlagen verschlampt?
Das Fehlen der Prüfstatik kann sich der Ex-Bauamtschef nicht erklären. In der Registratur sei penibel gearbeitet worden. Die Regale, in denen die Unterlagen gelagert wurden, seien jedoch frei zugänglich gewesen.
Dass nach den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft ausgerechnet eine Akte mit Unterlagen zur Eissporthalle leer sei, "ist für mich unvorstellbar", sagte der Zeuge. Prozessbeobachter schließen nicht aus, dass die Unterlagen über die Statik erst nach der Katastrophe verschwanden.
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