Aufmarsch in Innsbruck

FPÖ bläst in Gedenken an Haider zum Vollangriff

Porträt von Tiroler Krone
Von Tiroler Krone

Die FPÖ feiert Jörg Haider: Fast auf den Tag genau 40 Jahre nach dessen Wahl zum Bundesparteiobmann bei einem dramatischen Parteitag am 13. September 1986 in Innsbruck erinnerten die Freiheitlichen am Samstag ebendort in einer Festveranstaltung an jenen Moment, der nicht nur die Partei, sondern auch die Politik der Zweiten Republik veränderte. Begleitet wurde das blaue Event von Protesten in der Innenstadt.

„Aufbruch zur Spitze – 40 Jahre Wahl von Dr. Jörg Haider zum Partei- und Klubobmann der FPÖ“ lautete der Titel des Festakts im Saal Tirol des Congress Innsbruck – exakt dort, wo Herausforderer Haider in einer Kampfabstimmung den amtierenden Parteiobmann und Vizekanzler Norbert Steger mit 57,7 Prozent der Delegiertenstimmen „stürzte“.

Aufstieg der Haider-FPÖ begann
Am Tag darauf kündigte der damalige SPÖ-Kanzler Franz Vranitzky die rot-blaue Koalition auf, es folgte eine Neuwahl. Der mehr als 13 Jahre lang währende Aufstieg Jörg Haiders und seiner FPÖ in der Opposition begann. Der gebürtige Oberösterreicher formte aus einer kleinen nationalliberalen Honoratiorenpartei eine populistische Massenbewegung.

Im Jahr 2005 kam es mit der Gründung des BZÖ zum Bruch mit der FPÖ und heftigen Konflikten. Im Jahr 2008 starb Haider bei einem Autounfall.

Herbert Kickl beim Einzug mit Tirols FPÖ-Landesparteichef Markus Abwerzger (li.)
Herbert Kickl beim Einzug mit Tirols FPÖ-Landesparteichef Markus Abwerzger (li.)(Bild: Christof Birbaumer)

Parteichef Kickl polterte gegen „Systemparteien“
Mit dem Festtitel „Aufbruch zur Spitze“ will Kickl an das Erbe Haiders anknüpfen. Zu Beginn seiner Rede erinnerte er die Gäste daran, wie die Freiheitlichen vor 40 Jahren bei der Nationalratswahl um den Einzug ins Parlament zittern mussten: „Haarscharf, genau auf Kante haben wir fünf Prozent erreicht. Jedes Mal ein Kampf ums Überleben.“

40 Jahre später, so Kickl, erlebe die Freiheitliche Partei einen „Vorstoß“. Mit diesen Worten zeichnete er die Geschichte des Aufstiegs von Jörg Haider nach und stellte zugleich eine Verbindung zum heutigen Erfolg der FPÖ her.

In seiner Rede sprach Kickl wiederholt von den „Systemparteien“ ÖVP und SPÖ. Beide seien aus seiner Sicht nicht willens, Verantwortung zu übernehmen und zu regieren. Das Risiko, so Kickl, liege auf den Schultern der Österreicher – und daran müsse sich etwas ändern. Das könnte nur mit den Blauen gelingen.

Den Auftakt der Feierlichkeiten machte aber die Rede von Markus Abwerzger, Tiroler FPÖ-Landesparteichef, gefolgt von Roger Köppel. Der Chefredakteur der Schweizer Zeitung „Weltwoche“ feierte Kickl als „Freiheitskämpfer“. Abwerzger richtete den Blick dagegen bereits auf die nächste Landtagswahl. Für 2027 verspricht er Mario Kunasek, Landeshauptmann der Steiermark, dass dieser bald nicht mehr der einzige freiheitliche Landeshauptmann bleiben werde.

Erster FPÖ-Orden für Haiders Witwe
Claudia Haider erhielt bei der Veranstaltung in Innsbruck als Erste die neue goldene Verdienstmedaille der Freiheitlichen. Seit Samstag gilt diese als höchste Auszeichnung der FPÖ. Parteichef Kickl überreichte sie der Witwe am Ende der Veranstaltung. Die Ehre begründet er mit Haiders politischem Lebenswerk und dessen Bedeutung für die Freiheitlichen.

Claudia Haider und Kickl.
Claudia Haider und Kickl.(Bild: Christof Birbaumer)

„Bevor wir überhaupt darüber nachdenken, wem wir in Zukunft vielleicht diese Medaille geben können, ist es für uns eine unabdingbare Notwendigkeit, unseren großen Jörg, den Retter von Innsbruck, damit auszuzeichnen“, sagt Kickl. Die Medaille soll so Dankbarkeit, Wertschätzung und Anerkennung ausdrücken.

Das Event mit über 1000 Gästen bildete den Abschluss einer FPÖ-Klubklausur in Tirols Landeshauptstadt.

Gegner versammelten sich in der Maria-Theresien-Straße.
Gegner versammelten sich in der Maria-Theresien-Straße.(Bild: Christof Birbaumer)
(Bild: Christof Birbaumer)

Proteste in der Innenstadt
Das „Bündnis Innsbruck gegen Rechts“ hatte bereits im Vorfeld zum Protest gegen den FPÖ-Aufmarsch aufgerufen. Die Gegner versammelten sich gegen 10 Uhr in der Maria-Theresien-Straße im Bereich der Annasäule. Das Motto lautete unter anderem „Kickl, hau ab aus Innsbruck“ und „40 Jahre Spaltung sind kein Grund zum Feiern!“.

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