Es geht um die Ehre!

Marco soll zum Prozess in die Türkei reisen

Ausland
20.12.2007 07:34
Der erst am Freitag aus türkischer Untersuchungshaft entlassene Marco W. will angeblich wieder in die Türkei zurückkehren. Der 17-Jährige, der wegen sexuellen Missbrauchs angeklagt ist, werde zum nächsten Verhandlungstermin im April nach Antalya reisen, behauptet sein Anwalt Matthias Waldraff. "Er soll sich dem Verfahren stellen, damit er freigesprochen wird und kein Rest-Makel bleibt", so der Waldraff, der überzeugt ist, dass der Teenager nach der derzeitigen Beweislage freigesprochen werden müsse.

Der Prozess wegen sexuellen Missbrauchs der 13-jährigen Britin Charlotte wird am 1. April fortgesetzt. Zur Teilnahme an dem Verfahren könne Marco aber nicht gezwungen werden, so sein Anwalt.

Enthaftung nach 247 Tagen
Der 17-Jährige aus dem niedersächsischen Uelzen soll während eines Osterurlaubs in der Türkei die 13-jährige Charlotte missbraucht haben. Er bestreitet das. Nach 247 Tagen Haft hatte das Gericht im türkischen Antalya Marco am vergangenen Freitag ohne Auflagen auf freien Fuß gesetzt.

Anwalt des Mädchens legte Beschwerde ein
"Das Gericht hätte Marco nicht die Ausreise nach Deutschland erlauben dürfen. Sie hätten ihn in der Türkei behalten müssen", sagte Charlottes Rechtsanwalt Ömer Aycan am Montag. "Die Beweise zeigen, dass Marco meine Mandantin vergewaltigt hat." Deshalb legte er Beschwerde gegen die Entscheidung der Richter ein. Außerdem warf er Marcos Verteidigern eine unerlaubte Beeinflussung des Gerichts vor und stellte Strafanzeige gegen die beiden deutschen Juristen Matthias Waldraff und Michael Nagel. Sie hätten Druck auf das Gericht ausgeübt, sagte er. Er verwies zudem auf Berichte, wonach für die Freilassung Marcos Kontakte genutzt worden seien.

Marco sprach im Fernsehen erstmals über die Haft

In einem Interview in der RTL-Sendung "Explosiv Spezial" hat Marco erstmals über seine "sehr schwere Zeit" gesprochen. Der Schüler glaubte anfangs an eine Verwechslung, als er in der Türkei des sexuellen Missbrauchs der 13-jährigen Charlotte beschuldigt wurde.

Als er nach der Verhaftung ins Gefängnis gebracht wurde, habe er noch geglaubt, dass sich die Angelegenheit rasch aufklärt. Am Abend war dann allerdings klar, dass der geplante Rückflug der Familie verschoben werden musste: "Wir dachten, dass es irgendwann in der Nacht oder am nächsten Tag geht. Aber das hat sich ja ein bisschen länger verschoben."

"Die Zeit läuft einfach langsamer"
Zu seinem achtmonatigen Gefängnisaufenthalt sagte der Schüler: "Man kann sich ja ein bisschen die Zeit vertreiben mit Sport, mit Fernsehen, aber die Zeit läuft dort im Gefängnis einfach langsamer. Aber die Zeit wurde dann irgendwann wieder normaler, und man konnte sich dann immer besser die Zeit vertreiben."

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