22.11.2007 11:06 |

Schweden-Besuch

"Froschkönig" für Silvia, Skier für Carl Gustaf

Der zweite Tag des Staatsbesuchs des schwedischen Königspaars in Österreich stand im Zeichen der Wirtschaft, der Kunst und der Geschenke. König Carl Gustaf unterstrich bei einem Wirtschaftsforum die für Schweden „interessante Brückenfunktion“ Österreichs zur Erschließung osteuropäischer Märkte. Königin Silvia hob währenddessen bei einem Symposium die Rolle der Kultur in der Arbeit ihrer „World Childhood Foundation“ hervor. Zu Mittag war das Königspaar zu Gast bei Kanzler Gusenbauer, am Abend hatten sie selbst zum „Gala Diner“ geladen. Am Donnerstag werden die Monarchen nach einem Tag im Burgenland mit zwei Geschenken im Gepäck abreisen: Carl Gustaf bekam Skier, Silvia wurde ein "Froschkönig" überreicht.

Sowohl König Carl Gustaf als auch Bundespräsident Heinz Fischer würdigten die traditionell guten bilateralen Beziehungen der beiden Länder, politisch wie wirtschaftlich. Rund 120 schwedische Firmen hätten heute in Österreich Niederlassungen, sagte der Monarch. „Ich weiß, dass schwedische Firmen in Österreich einen guten Namen haben.“ Fischer sprach von einem „beeindruckenden Anstieg“ österreichischer Exporte. „Schwedische Züge laufen auf österreichischen Schienen.“ Überdies sei Österreich eine Top-Destination für schwedische Skitouristen.

Wirtschaftskammer-Präsident Leitl hatte denn auch gleich das passende Geschenk für den Monarchen, der mit seiner Familie oft nach Österreich zum Skifahren kommt - ein Paar Skischuhe für „den schwedischen Touristen Nummer eins“, wie er sagte. An das Wirtschaftsforum schloss sich ein Workshop über erneuerbare Energien („Renewable Energy Sources“) und Energieeffizienz, ein Sektor, bei dem sich beide Staaten als Vorreiter sehen.

Ein "Froschkönig" für die Königin
Königin Silvia besuchte derweil das „Das Recht auf Kunst ist ein Kinderrecht“. Dort bekam die humorvolle Königin einen "Froschkönig" überreicht, den sie ihrer Tochter, der Kronprinzessin Victoria, mitbringen will. In ihrer sagte die Königin: „Kunst und Kultur können Kindern ihr Selbstwertgefühl zurückgeben.“ Liebe könne man lernen, „wenn Kinder ohne Liebe aufwachsen, darf man sich nicht wundern, wenn sie selber lieblos werden“ - diese Worte von Astrid Lindgren hätten sie „tief berührt“. Jene Kinder, die sie auf ihren Reisen treffe, seien mit ihrer „Kraft und Lebenslust“ eine wichtige Inspirationsquelle für ihre Arbeit, erzählte die Monarchin. Dabei spiele auch die Kulturvermittlung eine wichtige Rolle.

Zuvor hatte die Königin gemeinsam mit der Frau des Bundespräsidenten, Margit, im Museum auf dem Judenplatz die Ausstellung „Josef Frank - Architekt und Outsider“ eröffnet. Museumsdirektor Karl Albrecht-Weinberger würdigte den Österreicher als einen der wichtigsten Architekten und Designer des 20. Jahrhunderts. Frank emigrierte 1933 mit seiner schwedischen Frau nach Schweden, wo er Zeit seines Lebens mit Estrid Erikson eng zusammenarbeitete.

Königs-Diner folgt Staatsbankett
Als Tagesausklang folte ein Diner im SAS Radisson Hotel, der Gegeneinladung des Königspaares zum Staatsbankett vom Vorabend, das Bundespräsident Heinz Fischer und seine Margit zu Ehren der Majestäten in der Hofburg gegeben haben. Dresscode: Frack für die Herren, langes Abendkleid für die Damen.

Unter den Gästen: Vizekanzler Wilhelm Molterer, Außenministerin Ursula Plassnik, Nationalbank-Präsident Klaus Liebscher, Magna-Chef Sigi Wolf und Ex-Opernballmutter Christl Grafin Schönfeld. Gereicht wurden Seeteufel, Kürbisschaumsuppe und Filet vom Hochlandrind mit Waldpilzrisotto. Als besonderen Höhepunkt des Abends gab es ein Klavierkonzert von Rudi Buchbinder, der eine Johann-Strauss-Paraphrase spielte. Königin Silvia gilt als großer Fan Buchbinders.

Letzter Tag im Burgenland
Der dritte und letzte Besuchstag führt das schwedische Königspaar am Donnerstag ins Burgenland. Im Schloss Esterhazy werden Carl Gustaf und Silvia von Landeshauptmann Hans Niessl begrüßt und einem Konzert im Haydn-Saal des Schlosses lauschen. Geplant ist ferner ein Besuch im Nationalpark Neusiedler See und eines Weinguts. Es ist nur zu hoffen, dass auch der Wettergott mitspielen wird.

Videos und Bilder des königlichen Besuches in der Infobox!

Das Königspaar wurde am Dienstagvormittag im Inneren Burghof, über dem die schwedische und österreichische Fahne wehten, von Bundespräsident Fischer und dessen Gattin Margit mit militärischen Ehren begrüßt. Einige Hundert Zuschauer harrten warm verpackt des Königspaares und begrüßten es beim Aussteigen aus der Limousine, die mit künstlicher Grünphase vom Flughafen in Innenstadt eskortiert wurde, mit reichlich Applaus. Nach einer feierlichen Darbietung beider Hymnen schritten die Staatsoberhäupter auf einem 60 Meter langen roten Teppich eine Ehrenformation des Bundesheeres ab.

Währenddessen warteten bereits Kinder der „Selma Lagerlöf“-Volksschule im Spiegelsaal der Hofburg auf die Staatsgäste. Nächster Programmpunkt war ein Besuch der Albertina. Am Nachmittag besuchte das Königspaar die Schwedische Kirche im 18. Bezirk, wo Vikar Gunnar Pelinka die Monarchen empfing. Am Abend gab's das Staatsbankett.

Enge Verbindung zwischen Österreich und Schweden
Zwischen den traditionell befreundeten EU-Ländern gibt es so gut wie keine bilateralen Probleme. Beide Staaten sind um eine Stärkung der Wirtschaftsbeziehungen bemüht. Schweden ist wie Nachbar Finnland bündnisfrei, Österreich bekennt sich zur Neutralität. Anfang der 90er Jahre prägte das gemeinsame Ziel des EU-Beitritts den Besucheraustausch. Gemeinsam traten die beiden nordischen Staaten und Österreich 1995 der EU bei. Schweden hat sich aber nicht der Euro-Zone angeschlossen.

Im Vorfeld der Staatsvisite hatten König Carl XVI. Gustaf und Königin Silvia mit einer Journalistengruppe aus Österreich über ihre Anliegen gesprochen: Nachhaltige Energie und Klimawandel, Integration von Einwanderern und Projekte für benachteiligte Kinder. Der Monarch bezeichnete Energie- und Klimafragen als wichtige Probleme unserer Zeit, für die eine langfristige Strategie und Lösungen gefunden werden müssen. Er wird in Wien auch einem Seminar über erneuerbare Energien beiwohnen.

Energieministerin und Vizeregierungschefin Maud Olofsson, die das Königspaar nach Wien begleitet, hofft auf Impulse für die Energie- und Klimapolitik. Nach den Worten von Michael Treschow, Aufsichtsratsvorsitzender von Ericsson und Unilever, betrachtet Schweden Österreich als „Brücke zu Osteuropa“ und hoffe, dass Österreichs Erfahrungen in diesem Raum bei der Markterschließung hilfreich sein werden. Die den König begleitende Wirtschaftsdelegation umfasst Repräsentanten bekannter Unternehmen wie Alfa Laval, Electrolux, E.ON Gas, Scania, SAS, Saab und Volvo.

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