Di, 18. September 2018

Einmarsch droht

30.10.2007 15:02

Türkische Armee bombardiert Kurden im Irak

Türkische Streitkräfte haben Dienstag früh erneut Stellungen kurdischer Rebellen im Südosten der Türkei bombardiert. Unterdessen forderte der türkische Regierungschef Recep Tayyip Erdogan die USA zu "dringenden" Maßnahmen gegen die Rebellen der verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei (PKK) auf. Der irakische Kurdenchef Massud Barzani verlangte indes von der PKK Gewaltverzicht.

"Der Terrorismus der PKK" sei für die Türkei auch ein "Testfall", sagte Erdogan am Dienstag vor der Parlamentsfraktion seiner Partei AKP in Ankara. Dieser Test entscheide auch über die Zukunft der türkisch-amerikanischen Beziehungen.

Bei seinem Treffen am kommenden Montag mit US-Präsident George W. Bush in Washington werde es darum gehen, dass die in der Türkei operierenden PKK-Rebellen im Nordirak einen sicheren Zufluchtsort hätten. "Ich werde ihm ganz offen sagen, dass wir konkrete, dringende Schritte gegen die Terroristen erwarten", sagte Erdogan weiter. Auch fordere er eine Erklärung dafür, wie aus den USA an die irakischen Sicherheitskräfte gelieferte Waffen in die Hände der PKK gelangten.

USA offenbar mit türkischer Militäraktion einverstanden
Die Türkei droht in ihrem Kampf gegen die PKK-Rebellen seit Wochen mit einem Einmarsch im Nordirak, wo sich ebenfalls Stützpunkte der PKK befinden. Die USA ließen durch eine Sprecherin des Weißen Hauses am Montag Verständnis für mögliche begrenzte türkische Militäraktionen gegen kurdische Rebellen im Nordirak durchklingen.

Der irakische Kurdenführer Barzani rief unterdessen die Rebellen der PKK auf, ihre Waffen niederzulegen. "Entweder die PKK schwört der Gewalt ab, oder sie steht nicht nur der Türkei, sondern auch der gesamten kurdischen Nation gegenüber", zitierte ihn die türkische Zeitung "Milliyet" am Dienstag. Gleichzeitig forderte Barzani die Türkei zur friedlichen Lösung des Konflikts auf.

Da die Regierung jedoch keine direkten Gespräche mit den irakischen Kurden führen wolle, werde er keine "Befehle" der Türkei im Kampf gegen die PKK akzeptieren. "Sie sprechen nicht mit mir, aber Sie fordern mich auf, etwas gegen die PKK zu tun. Wie kann das sein?" fragte Barzani.

Türkei will etwa 4.000 Rebellen angreifen
Die Türkei droht in ihrem Konflikt mit der PKK offen mit einem militärischen Vorgehen gegen Stellungen der Arbeiterpartei in der kurdischen Autonomieregion im Nordirak, von wo aus die auf bis zu 4.000 Leute geschätzten Rebellen Angriffe auf die Türkei vorbereiteten. Gesprächsangebote vonseiten der Kurden schlug Ankara bisher aus. Die jüngsten Verhandlungen der Türkei und des Irak waren gescheitert, Ende der Woche könnten jedoch neue Gespräche der beiden Außenminister in Istanbul stattfinden.

US-Außenministerin Condoleezza Rice will diese Woche in Ankara und Istanbul versuchen, in Gesprächen mit Türken und Irakern eine türkische Invasion im Norden des Irak zu verhindern. Bei seiner Reise nach Washington will Erdogan dann mit Bush über ein Vorgehen gegen die PKK im Nordirak zu sprechen.

Bisher sind aber noch keine konkreten amerikanischen Vorschläge dafür bekannt. Wenn die USA nicht bald etwas auf den Tisch legen, könnte Erdogan laut Beobachtern seinen Besuch bei Bush möglicherweise noch absagen - dann könnte der Einmarsch in den Irak früher beginnen als bisher angenommen.

Die US-Regierung hat in den bevorstehenden Gesprächen das Problem, dass sie Vorschläge zur Bekämpfung der PKK im Nordirak präsentieren muss, die sowohl für die türkische als auch für die irakische Seite tragbar sind. Bisher sind alle Versuche gescheitert, die grundverschiedenen Ansichten unter einen Hut zu bekommen. Erst vor wenigen Tagen lehnte Ankara ein Maßnahmenbündel der irakischen Regierung gegen die PKK als unzureichend ab.

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