Ins Netz gegangen
“Ausbrecher- König” Payet endlich gefasst
Mit zwei Gefängnisausbrüchen per Hubschrauber und mit Beihilfe zur Flucht hielt Payet die Behörden in den vergangenen Jahren immer wieder zum Narren. Er floh zuletzt am französischen Nationalfeiertag im Helikopter aus dem Gefängnis in Grasse. In Marseille befanden sich am Samstag zehn Verdächtige in Polizeigewahrsam, die Payet dabei geholfen haben könnten.
Der 44-Jährige ging am Freitag im nordostspanischen Mataro französischen und spanischen Fahndern ins Netz. Außerdem wurden zwei 30 und 48 Jahre alte Begleiter festgenommen, die nach Polizeiangaben aus seinem "näheren Umfeld" stammten. Alle drei seien schwer mit Maschinengewehren und Granaten bewaffnet gewesen. Payet habe von seiner Waffe keinen Gebrauch gemacht. Der Regionaldirektor der Kriminalpolizei von Marseille, Christian Losson, dementierte Angaben aus Polizeikreisen, wonach Payet sich einer Gesichtsoperation unterzogen hatte. "Das ist falsch", sagte Losson.
Einer der bestbewachten Häftlinge
Der aus Marseille stammende Payet war 2005 wegen Mordes an einem Geldboten acht Jahre zuvor zu 30 Jahren Haft verurteilt worden. Er galt als einer der bestbewachten Häftlinge in Frankreich und durfte nie länger als sechs Monate im gleichen Gefängnis bleiben. Bereits in der Untersuchungshaft 2001 floh Payet zum ersten Mal zusammen mit einem zu lebenslanger Haft verurteilten Mitgefangenen in einem Hubschrauber aus dem Gefängnis im südostfranzösischen Luynes. Während sein Komplize sechs Tage später geschnappt wurde, blieb Payet jahrelang unentdeckt.
2003 organisierte er aus dem Untergrund die Befreiung von drei Gefangenen aus dem Knast von Luynes - natürlich mit dem Hubschrauber. Eine gescheiterte Flucht per Hubschrauber aus dem Gefängnis von Villefranche-sur-Rhône 2005 könnte dem dort inhaftierten Payet gegolten haben. Am 14. Juli dieses Jahres schließlich türmte Payet in einem Helikopter aus dem Gefängnis von Grasse in der Provence. Seither wurde mit europäischem Haftbefehl nach ihm gefahndet.
Langes Strafregister
Vor seiner Verurteilung wegen Mordes hatte Payet bereits ein langes Strafregister. 1988 wurde er wegen schweren Raubes verurteilt, 1993 wegen Verschwörung mit einer Verbrecherbande. Bei der Bestätigung des Urteils zu 30 Jahren Haft von einem Berufungsgericht 2006 sagte der Staatsanwalt, Payet sei "kein Barbar", sondern "ein Gauner, der für Geld alles macht". Die Auslieferung des Gangsters durch die spanischen Behörden dürfte nach Angaben aus französischen Justizkreisen in Kürze stattfinden - es sei denn, er wird noch beschuldigt, in Spanien Straftaten begangen zu haben.
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