Freundlicherer Ton
Straßenmusikanten als Ordnungshüter
In den Parks der knapp 600.000 Einwohner zählenden Stadt zählen Drogendealer und illegale Prostitution zu den größten Problemen. Die Anlagen seien nicht sehr einladend, und es müssten mehr Anreize für Besucher geschaffen werden, befand kürzlich ein Untersuchungsausschuss der Stadt. Dafür sorgen nun zwanzig Straßenkünstler, Musikanten und Akrobaten, die bis Ende September auf Kosten der Stadt für Ambiente und Ordnung sorgen sollen. 30 Dollar erhalten die Künstler pro Auftritt in fünf städtischen Parks. Nach Dienstplan treten sie montags bis freitags für je drei Stunden an.
"Wir machen die Parks sicherer", davon ist Kirsten Anderberg überzeugt. Die 46 Jahre alte Künstlerin musiziert seit 28 Jahren in den Straßen von Seattle und anderen US-Städten. Nun kassiert sie neben Trinkgeldern auch den städtischen Lohn ab. "Wir machen den Park ein bisschen menschlicher und damit familienfreundlicher. Wenn die Polizei patrouilliert, dann schafft das gleich einen feindseligen Ton." Nach den ersten Erfahrungen der singenden Ordnungshüterin konnte sie Geschäftsleute, Touristen und Familien aber auch Obdachlose mit ihren Liedern anlocken.
Auch Emery Carl glaubt an den positiven Effekt seiner Kunst. Der 29-Jährige unterhält mit Gitarre und Hula-Hoop-Reifen und lädt seine Zuhörer häufig zum Mitmachen ein. Er habe kürzlich vor einer Kneipe eine Gruppe streitender Männer zum Lachen bringen können, erzählt Carl der "Los Angeles Times". Für Victoria Schoenburg, Programmkoordinatorin bei der Parkbehörde, ist das Musikanten-Experiment eine einfache, preiswerte Idee und zudem "viel ansprechender und billiger" als ein stärkeres Polizeiaufgebot.
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