Strenge Regeln
Pornografieverbot wegen Kindesmissbrauchs
Ausland
21.06.2007 14:42
Mit einem Alkohol- und Pornografieverbot hat die australische Regierung auf einen schockierenden Bericht über weit verbreiteten Kindesmissbrauch in Nordaustralien reagiert. Inspektoren hatten in 45 untersuchten abgelegenen Gemeinden systematischen Kindesmissbrauch festgestellt. "Hier geht es um Kinder im zartesten Alter, die praktisch von Geburt an schrecklich missbraucht wurden", sagte Premierminister John Howard am Donnerstag im Parlament. Weil in den Gemeinden überwiegend Ureinwohner leben, kritisierte eine ihrer Sprecherinnen die Maßnahmen als rassistisch.
In den Gemeinden darf für mindestens sechs Monate kein Alkohol mehr verkauft werden, Filme mit Hardcore-Pornografie werden verboten und Sozialhilfe gibt es nur für Eltern, die ihre Kinder zur Schule schicken. Die Hälfte der Zuwendung wird für Lebensmittel und andere lebensnotwendige Artikel reserviert. Kinder unter 16 müssen sich ärztlichen Untersuchungen unterziehen, und die Polizei wird mit Kräften aus anderen Bundesstaaten verstärkt.
"Kindesmissbrauch hat kein schwarzes Gesicht"
Etwa 90 Prozent der Einwohner der Gemeinden sind Aborigines. "Kindesmissbrauch hat kein schwarzes Gesicht. Wenn wir es ernst meinen mit dem Kampf gegen sexuellen Missbrauch, dann sollten wir es in der ganzen Gesellschaft tun", sagte Sprecherin Bonnie Robertson. Die Maßnahmen raubten den Ureinwohnern Würde und Bürgerrechte. Der Minister für Angelegenheiten der Ureinwohner, Mal Brough, wies das zurück. Alle Einwohner würden gleich behandelt.
In Australien bezeichnen sich etwa 500.000 der 20 Millionen Einwohner als Ureinwohner. Im Bundesstaat Northern Territory leben 70.000, die etwa ein Viertel der Bevölkerung dort ausmachen. Sie sind eine Randgruppe in der Gesellschaft: Die Mordrate ist sechs Mal so hoch wie im nationalen Durchschnitt, die Selbstmordrate doppelt so hoch. Alkoholmissbrauch ist weit verbreitet. Die Lebenserwartung ist um 17 Jahre geringer als bei allen anderen Australiern.
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