Keine Hilfe

Lebende Bombe heimgeschickt

Oberösterreich
20.06.2007 18:30
„Er ist ein lebendes Pulverfass“ – alle fürchteten den irren Bombenleger und Messerstecher, nur seine Psychiater nicht, die er noch kurz vor seiner Wahnsinnstat um Hilfe bat: Er durfte aber nicht mehr in die Anstalt für gefährliche geisteskranke Rechtsbrecher, sondern kam ins Linzer Spital und in häusliche Pflege, wo`s passierte.

Was steht im Polizeibericht: Der Frühpensionist Thomas H. (35) aus Asten wurde neuerlich in die Linzer Nervenklinik eingewiesen, nachdem er in seinem Verfolgungswahn seine Großmutter Cäcilia L. (70) mit vier Messerstichen getötet hatte. 

„Er kann nichts dafür, weil er nicht zurechnungsfähig ist“, sagt sein Onkel, der seine Mutter verlor und trotzdem den Namen seines Neffen auf der Todesanzeige erwähnte. Die Trauerfamilie macht nun Ärzte, Richter und Bewährungshilfe mitverantwortlich, die nicht halfen: „Mein Neffe hat sich von allen verfolgt und verarscht gefühlt“, erzählt Josef H., wie Thomas H. keine Psycho-Pillen mehr einnahm, keine Beruhigungs-Injektionen mehr abholte, und wie diese menschliche Bombe immer brisanter wurde. 

„Plötzlich war er weg, abgängig“, schildert der Onkel den letzten Fluchtversuch und Hilferuf seines Neffen: Thomas war am 2. Mai von Asten nach Göllersdorf (NÖ) in jene Sonderanstalt für gefährlich geistig abnorme Rechtsbrecher getrampt, wo er nach seinem Bombenattentat auf sein Stammbeisl vier Jahre lang behandelt worden war. Wo er seine letzten Freunde hatte, die einzigen Ärzte seines Vertrauens. Sie wiesen den Kranken ohne Einweisung jedoch ab und riefen die Rettung, die den Patienten ins Linzer Wagner-Jauregg-Spital überstellte – und seiner Familie eine Rechnung über 278 Euro ausstellte. Zwei Wochen später war der ungeheilte Patient wieder in häuslicher Pflege bei seiner Oma, die ihn mit ihrer „Gesprächstherapie“ tödlich nervte.

 

Foto: Horst Einöder

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