UN-Tribunal
35 Jahre Haft für Ex-Serbenführer Martic
Der heute 52-jährige Martic hatte bis 1995 führende Posten in der einseitig ausgerufenen Serbenrepublik auf kroatischem Gebiet inne, zuletzt als deren Präsident. In diesen Funktionen habe er danach getrachtet, alle Nichtserben - vor allem Kroaten - zu vertreiben. Dabei seien die Serben mit Mord, Misshandlung und Zerstörung gegen die Zivilisten vorgegangen. "Martic war verpflichtet, die Verbrechen zu verhindern und für die Achtung der Menschenrecht zu sorgen, aber er missbrauchte seine Ämter", sagte der Vorsitzende Richter Bakone Justice Moloto. Ziel sei es gewesen, die Krajina mit Serbien und den serbischen Gebieten Bosniens zu vereinen.
In einer ersten Reaktion begrüßte Kroatiens Regierungschef Ivo Sanader am Dienstag das Urteil. "Das ist der Mann, der die Angriffe auf Zagreb befohlen hat und der für viele Tote und Verletzte verantwortlich ist", sagte er.
Das Gericht erinnerte ausdrücklich auch an den von Martic befohlenen Beschuss der kroatischen Hauptstadt Zagreb mit Raketen im Mai 1995, der in aller Welt Empörung hervorrief. Bei dem militärisch sinnlosen Angriff kamen mehrere Zivilisten ums Leben, weit mehr als Hundert wurden verletzt. Die von den Serben beanspruchte Krajina- Republik wurde wenige Monate später vom kroatischen Militär mit rücksichtsloser Gewalt zurückerobert. Einer der damaligen kroatischen Kommandeure, General Ante Gotovina, ist ebenfalls wegen Kriegsverbrechen angeklagt und wartet im UN-Gefängnis in Den Haag auf seinen Prozess.
Das UN-Tribunal hat bisher nur in zwei Fällen höhere Strafen verhängt. Der bosnisch-serbische General Stanislav Galic wurde 2004 wegen seiner Verantwortung für die jahrelange Belagerung von Sarajevo zu lebenslanger Haft verurteilt. Ebenfalls lebenslange Haft hatte ein Jahr vor ihm der serbische Arzt und Zivilbeamte Milomir Stakic für die Gräueltaten in drei Lagern im nordbosnischen Prijedor erhalten, in denen Hunderte von Muslimen und Kroaten gefoltert und ermordet worden waren.
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