Der Steinadler ist in der Liste der artengeschützten Tiere europaweit besonders streng bedacht und zusätzlich durch das Landesgesetz ganzjährig geschont. Deshalb wurde der verstümmelte Vogelkadaver im Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie der veterinärmedizinischen Uni Wien unter die Lupe genommen: Es handelte sich um ein Steinadlerweibchen, das vermutlich im Sitzen von dem Wilderer erschossen worden war.
Der Fundort befindet sich zwischen den Nationalparks Kalkalpen und Gesäuse, daher ist auch noch unklar, woher das Vogelweibchen stammte. Weil noch Besatzzeit ist, können die Adlerhorste nicht kontrolliert werden. Theoretisch könnten Küken auf die Mutter gewartet haben und hilflos verhungert sein…
Ermittler des Landeskriminalamtes vermuten, dass der Täter die Adler-Dame „entsorgen“ wollte, die Natur ihm aber einen Strich durch die Rechnung machte, weil das „Corpus Delicti“ auf der Schotterbank strandete. Die Trophäen wie Haupt und Fänge haben in Sammlerkreisen hohen Wert. So werden auf der Internetplattform „ebay“ schon für eine einzelne Adlerfeder 70 Euro verlangt!
„So eine Tat ist sicher kein Kavaliersdelikt!“
Seit 15 Jahren leitet Erich Mayrhofer (53) den Nationalpark Kalkalpen. Als er von dem gewilderten Steinadler hörte, setzte er 500 Euro Ergreiferprämie aus: „Das ist kein Kavaliersdelikt.“
Sie glauben, dass der Steinadler wegen der Trophäen gewildert wurde?
Es gibt in gewissen Kreisen einen regelrechten Kult: Diese Leute glauben, dass beispielsweise eine Adlerkralle als Jagdschmuck dem Träger Kraft verleiht. Das geht in Richtung Naturglaube. Ich habe Informationen, dass es für derartige „Produkte“ einen hochpreisigen Markt gibt.
Wie viele Steinadler gibt es in Oberösterreich?
Wir haben in unserem Nationalpark vier bis acht Brutpaare, landesweit dürften es zwanzig Paare sein.
Der Steinadler ist das Wappentier Ihres Nationalparks, Sie gelten selbst als Experte für diese Vogelart.
Gerade hatte ich ein tolles Erlebnis: Ich konnte bei drei Aufenthalten im Park Adlerpaare mehrmals aus nächster Nähe betrachten. Sie waren auf der Suche nach einem neuen Nistplatz. Das ist schon ein ganz toller großer Vogel, der sich perfekt in der Luft bewegt.
Sie haben auch sofort eine Ergreiferprämie ausgesetzt.
Es kann nicht sein, dass jemand auf so ein höchst geschütztes Tier einfach draufballert, warum auch immer. So etwas ist kein Spaß. Hier gehört unbedingt eingegriffen!
Foto: Jack Haijes
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