Peinliches Essen

Bush blamiert sich und die Queen bei Staatsbankett

Ausland
09.05.2007 08:16
Man sollte meinen, US-Präsident George W. Bush würde sich auf einen Besuch der Königin von Großbritannien ordentlich vorbereiten. Zum Teil hat das auch geklappt - angeblich ließ sich Bush vorher Benimmunterricht für das Staatsbankett im Weißen Haus erteilen. Einer Frau Komplimente zu machen, war offenbar nicht inkludiert: Er verhaperte sich in einem Satz, demzufolge die Queen 231 Jahre alt wäre. Ihr trockener Kommentar dazu: "Close" - nahe dran!

Warum George W. Bush sein Unwissen über Königin Elizabeth II. ausgerechnet neben ebendieser offenbarte, bleibt wohl sein Geheimnis. "Sie haben bereits mit zehn US-Präsidenten zu Abend gegessen. Sie haben unserer Nation geholfen, das zweihundertjährige Jubiläum im Jahr 17... - im Jahr 1976 zu feiern", stammelte der US-Präsident.

Mehr Bilder vom Staatsbankett findest du in unserer Linkbox!

Die Queen hatte offenbar vor, den unfeinen Kommentar - laut dieser Berechnung wäre die 81-Jährige bereits 231 - nobel zu überhören. Das hat aufgrund des schallenden Gelächters der Umsitzenden nicht funktioniert, daher erntete Bush einen bösen Blick und den Kommentar "Nahe dran". Die Reaktion dürfte selbst dem Elefanten im bilateralen Porzellanladen nicht entgangen sein. "Sie hat mir einen Blick zugeworfen, den sonst nur eine Mutter einem Kind zuwirft."

"White Tie" für die Queen

Nichts destotrotz hat der USA-Besuch der britischen Königin mit dem Staatsbankett am Montagabend (Ortszeit) einen glanzvollen Höhepunkt erreicht. Die Queen erschien in einer weißen Robe mit funkelndem Besatz und blauer Schärpe zum Galadinner, zu dem US-Präsident George W. Bush und First Lady Laura insgesamt 134 Gäste aus verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen eingeladen hatten. Es war das erste so genannte "white tie"-Dinner in der mehr als sechsjährigen Amtszeit von Bush. Das heißt, für alle männlichen Gäste waren Frack und weiße Fliege (white tie) vorgeschrieben - die höchste Stufe des Protokolls.

Besuch bei der NASA
Am Montagmorgen waren die Monarchin und ihr Ehemann, Prinz Philip, mit militärischem Zeremoniell offiziell in Washington willkommen geheißen worden. Für Dienstag waren unter anderem Besuche im Goddard-Raumfahrtzentrum der NASA nahe der Bundeshauptstadt und in einem Kinderkrankenhaus geplant. Noch am Abend wollten die Gäste dann nach einem Dinner mit den Bushs und anderen ausgewählten Gästen in der britischen Botschaft in Washington nach London zurückkehren.

Eigens geschneidertes Designer-Kleid für Laura Bush
Für das Staatsbankett am Montag hatte sich Laura Bush beim Designer Oscar de la Renta eigens ein langes Kleid in Türkis mit Glitzer-Borte und passendem Bolero-Jäckchen anfertigen lassen. Damit schloss die First Lady die Wiederholung einer Peinlichkeit aus, die ihr im vergangenen Dezember widerfahren war: Bei einer Festivität des Kennedy Center in Washington trugen zwei Frauen das gleiche rote Kleid wie sie. Laura Bush entfernte sich diskret und erschien in einer anderen Robe.

Bush zum Frack überredet
Wie die First Lady am Montag in einem Interview verriet, war es das erste Mal seit vier Jahren, dass der texanische Bequemlichkeit liebende Präsident Frack und Fliege anlegte. Sie habe ihn zusammen mit Außenministerin Condoleezza Rice ein bisschen dazu überreden müssen, dieses Dinner zu einem "white tie"-Ereignis zu machen, plauderte Laura Bush aus. "Ich weiß nicht, wie glücklich er darüber ist. Aber was wäre perfekter dafür als dieser Besuch", fuhr sie fort. "Ich weiß, dass das amerikanische Volk sehr froh darüber ist, dass sie (die Queen) hier ist. Es ist ein sehr glücklicher Anlass."

Probe-Dinner als Vorbereitung
13 Tische waren für das Bankett im Staatsspeisezimmer des Weißen Hauses arrangiert und königlich dekoriert worden. Gedeckt wurde mit dem Clinton-Porzellan - elfenbeinfarben mit goldenem Rand - und mit vergoldetem Silber aus dem England des 18. und 19. Jahrhunderts. Das Essen mit anschließender musikalischer Unterhaltung im East Room durch den berühmten israelischen Violinisten Itzhak Perlman war nach Angaben von Laura Bush schon vor Wochen getestet worden: Der Präsident und sie hatten Senatoren und Kongressabgeordnete zu einem "Probe-Dinner" eingeladen.

Und das stand am Montagabend auf der Speisekarte: Frühlingserbsensuppe mit Lavendel, amerikanischer Kaviar, Scholle "Almondine" mit gerösteten Artischocken, Lammrücken mit Gemüsefrikassee, Käse-Trio plus Salat mit Senf und Minze sowie eine Dessert-Kreation mit Zuckerrosen.

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