14.05.2003 14:37 |

Cowboy, Hausfrau

Diese Wörter sind für US-Schüler pfui

Aschenputtel oder Harry Potters Erlebnisse sucht man in amerikanischen Schulbibliotheken vergebens. Zu sexistisch ist das Märchen, voll von schwarzen Künsten - die junge Seelen leicht aus dem Schoße der Religion weg und schnurstracks zum Bösen (das Wort Teufel ist verboten) führen – die Geschichten des Zauberlehrlings. Also werden sie zensiert, von "Überprüfungskomitees für Vorurteile und Empfindlichkeiten". Auf dass die Kinder in den USA vor eben solchen geschützt werden.
Cowboy oder Cowgirl zum Beispiel. Zu sexistisch.Stattdessen: Cowhand (was immer das auch genau bedeuten soll).Oder Schneemann. Es sollte Schneeperson heißen. Das WortHausfrau ist ebenfalls zu sexistisch. Besser: Haushaltungsvorstand.(Mehr Beispiele siehe Linkliste)
 
Seit Jahrzehnten zensieren politisch überkorrekteEiferer in den USA Schulbücher, Prüfungsfragen und sogarMärchen. Die mächtige Lobby tilgt aus Lehrbüchernaller Fachrichtungen Wörter, Themen und Illustrationen, dieirgendwie strittig, kontrovers oder problematisch sein könnten.
 
Diane Ravitch enthüllt den Zensur-Skankal
Diese Exzesse sind schon lange bekannt. Doch nundürfte die Debatte durch ein soeben erschienenes Buch erneutbelebt werden: "The Language Police" (Die Sprachpolizei) der Erzieherinund Historikerin Diane Ravitch enthüllt den Skandal, denMillionen von Schülern, Lehrern und Eltern im ganzen Landseit Jahrzehnten stillschweigend erdulden.
 
Am Anfang war der löbliche Vorsatz
Was Ende der sechziger Jahre mit dem löblichenVorsatz begann, rassistische Bemerkungen und Anwürfe ausLehrbüchern und vor allem aus Prüfungsfragen zu entfernen,hat sich mittlerweile längst verselbstständigt. "Einigeder Zensurmaßnahmen sind trivial", schreibt Ravitch, "einigesind lächerlich, und einige sind geradezu atemberaubend inihrer Fähigkeit, das zu verdummen, was Kinder in der Schulelernen."
 
Die bizarren Beispiele, die Ravitch anführt,sind alle authentisch. Gleichwohl lesen sie sich wie Lehrstückefür ein absurdes Theater (siehe Linkliste).
 
Weil jeder Text, jedes Lehrbuch, jede Prüfungsfragevon "Überprüfungskomitees für Vorurteile und Empfindlichkeiten"(bias and sensitivity review panels) abgenommen werden muss, sindAmerikas Schulbuchverlage schon lange lieber gleich zur Selbstzensurübergegangen, um sich kostspielige Streitereien mit den Sprachpolizistenzu ersparen.
 
Zehn Seiten Anweisungen für Kinderbuch
"Es ist mir wie mit Säure ins Gehirn geätzt",erinnerte sich ein Illustrator, der von einem Schulbuchverlagzehn Seiten eng bedruckter Anweisungen für ein Kinderbuchzugesandt bekam. "Der Held war ein Junge lateinamerikanischerAbstammung. Es gab schwarze Zwillinge, einen Jungen und ein Mädchen;einen übergewichtigen orientalischen Jungen; ein Indianermädchen.Damit blieb die weiße Person übrig. Weil wir die Behindertennicht vergessen durften, hatte sie einen Geburtsfehler und nurdrei Finger an einer Hand. Ein Kind musste einen Irish-Setterhaben, der ein Weibchen sein musste. Es musste auch eine älterePerson dabei sein, die ich beim Joggen zeigen musste." FürSchulbuchverlage arbeitet der Zeichner schon lange nicht mehr...
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