Fall Foco im TV

Vom Hauptdarsteller keine Spur

Oberösterreich
09.04.2007 19:44
„Die Geschworene“ Christiane Hörbiger könnte die Geschwornen Tibor Focos beeinflussen, befürchtet die Linzer Justiz: 20 Jahre nach der Verurteilung des Zuhälters und zwölf Jahre nach der Flucht des Lebenslangen sind schon so viele Linzer Richter und Laienrichter befangen, dass sein vierter Mordprozess nicht mehr in seiner Heimatstadt geführt werden kann. Eine Delegierung wird beantragt.

Der ORF-Kundendienst kündigt seine TV-Premiere für morgen, Mittwoch, 20.15 Uhr in ORF 2 als Verfilmung eines Romans an: „Angelehnt an einen authentischen Fall, die Geschichte eines österreichischen Justizskandals der 80er-Jahre. Es ist die Geschichte einer Frau, die zum Schluss kommt, als Geschworene in einem Mordprozess ein Fehlurteil gefällt zu haben. Geplagt vom schlechten Gewissen, stößt sie im Rahmen umfassender Recherchen auf jede Menge Ungereimtheiten.“

Zur Höchststrafe verdonnert
Fakt ist, dass am 31. März 1987 sieben der acht Geschwornen den damals 29-jährigen Motorradrennfahrer und „Bunnys-Club“-Besitzer Tibor Foco wegen Mordes an der Konkurrenz-Prostituierten Elfriede Hochgatter (24) zur Höchststrafe verdonnerten, die auch der Oberste Gerichtshof bestätigte. Fakt ist auch, dass bei den „Ja, schuldig“-Stimmen auch die jener Laienrichterin Elfriede E. war, die jetzt von Christiane Hörbiger dargestellt wird. 

Die echte Geschworne schrieb bereits am 2. Juni 1992 der „Krone“ ihre Zweifel: „Schon vor knapp vier Jahren hatten sechs von uns damaligen Geschwornen erkannt, dass wir damals falsch geurteilt hatten.“ Grund: „Die ungeheuerlichen Täuschungsmanöver des Richters und der Ermittler, die uns damals gehindert hatten, die Wahrheit zu erkennen.“

Dass ein solcher Polizei- und Justizskandal kein Hirngespinst einer Verschwörungstheorie sein muss, zeigt inzwischen der Fall und Freispruch des unschuldigen Gmundners Peter Heidegger (32), der für acht Haftjahre mit 950.000 Steuereuro entschädigt werden musste. Weil Salzburger Mordermittler geschlampt und gelogen haben. 

Kein großes Kriminalrätsel
Ähnliche Vorwürfe gegen die Linzer Kripo wurden jedoch mehrmals geprüft und entkräftet. Die Beamten sind freigesprochen, während Foco wieder angeklagt ist: „Weil uns eine Blutspur vom Mordopfer direkt zu seinem Sexklub geführt hat, war´s und wird´s kein wirklich großes Kriminalrätsel“, sagt ein Ermittler, obwohl seit zehn Jahren wieder die Unschuldsvermutung gilt. 

Auch die neue, 75-seitige Anklage beruht auf dem alten, widerrufenen Geständnis der „Kronzeugin“ Regina U., die am 2. April 1986 in Beisein der U-Richterin unterschrieben hat: Elfi sollte ein neues Häschen des „Bunnys-Club“ werden, habe aber dem Meister einen Korb gegeben, sei deshalb mit Fäusten und mit einer Getriebewelle des Motorradrennfahrers traktiert worden. Das blutüberströmte Opfer sei über die Goethestraße auf das Westbahngleis geschleppt und dort erschossen worden. 

Was wie ein schnell vergessener Selbstmord einer schnell vergessenen Bardame aussehen sollte, liefert mehr denn je den Stoff für Spekulationen, Diskussionen, Romane, Film und Fernsehen. Der Mythos lebt, so lange jede Spur vom feschen Titelhelden fehlt, der viele Frauenherzen höher schlagen lässt. So lange ein neuer Wahrspruch von neuen Geschwornen fehlt.

 

Foto: Chris Koller

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Oberösterreich
09.04.2007 19:44
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs

Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.

Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.

Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.

Top 3
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung