13.03.2007 11:54 |

Traue niemandem

Belief & Betrayal - Das Medaillon des Judas

Jonathan Danter kann es nicht glauben - sein Onkel wurde ermordet! Aber Moment, ist der nicht bereits seit Jahren tot? Der Journalist gibt entgegen guter Ratschläge seiner Neugier nach und rutscht tief in eine Verschwörung, die weite Kreise im Vatikan zieht...

Gerade bereitet sich Jonathan Danter, seines Zeichens Mittelklasse-Journalist aus den USA, auf das Interview mit einem mächtigen Mann aus dem Vatikan vor, da klingelt das Telefon. Ein Polizeiispektor aus dem fernen London verlangt Jonathans Anwesenheit, nur er kann bei der Lösung des Rätsels um den Tod seines Onkels helfen.

Jonathan hält die forsch vorgetragene "Einladung" nach London erst für einen Scherz, ist sein Onkel doch seit Jahren tot. Doch wie sich herausstellt hat dieser sein Ableben nur vorgetäuscht, um seinen letzten lebenden Verwandten vor den Machenschaften des Vatikans zu schützen. Für diesen war er als Spion, Ermittler, Geheimagent - wie immer man es nennen mag - tätig, bis sein Leben gewaltsam beendet wurde.

Das Geheimnis des Lebens
Worum es in "Belief & Betrayal - Das Medaillon des Judas" eigentlich geht, verrät zwar der Titel, doch die Geschichte kommt erst nach einer guten halben Stunde in Fahrt. Dann nämlich taucht die bezaubernde Kat McKendal auf, die Jonathan dankenswerterweise erstmal aus den Klauen eines irren Vatikan-Killers befreit. Gemeinsam machen sie sich auf, das Medaillon des Judas zu finden. Das soll schließlich das Geheimnis des Lebens beinhalten...

Jonathan und Kat, beide sind im Laufe des Games spielbar, werden per Point-and-Click-Steuerung durch wunderschöne 2D-Hintergründe navigiert. Hotspots können per Tastendruck sichtbar gemacht werden, im Test waren allerdings - in Räumen - oft nicht alle Hotspot zu sehen. Unangenehm fällt auf, dass Ausgänge nicht angezeigt werden, was bei der teilweise verwirrenden Kamera- und Wegführung hilfreich gewesen wäre. Auf der Suche nach einem bestimmten Wasserspender sollen einige Gamer fast verzweifelt sein...

Mein Großvater hat immer gesagt...
Ebenfalls zum Weinen: Dass die Gegenstände mehrmals angeklickt werden müssen. Erst dann enthüllt sich bei einigen der wahre Zweck des Daseins und Jonathan plaudert wichtige Details aus. A propos plaudern: Dialoge lassen sich dankenswerterweise überspringen. Doch unverständlicherweise haben die Entwickler genau hier gepatzt: Wenn ein Gegenstand nicht in gewünschter Art und Weise benützt werden kann, starten sowohl Jonathan als auch Kat elendslange Monologe über diese Tatsache ("Mein Großvater hat immer gesagt: 'Fass nicht alles an, was du siehst"). Und ebendiese Selbstgespräche können nicht abgebrochen werden! Ein-, zweimal - okay. Da diese sinnentleerten Minutenfüller jedoch bei unverständlichen Rätseln (siehe unten) unvermeidlich sind, nerven die Texte innerhalb kürzester Zeit gewaltig.

Rätsel? Fünf, setzen!
Worum geht es in Adventures neben einer guten Geschichte hauptsächlich? Richtig, die Rätsel! Die wissen in "Belief & Betrayal" leider nicht zu überzeugen. Die Inventarrätsel sind oft dermaßen unlogisch, dass nur der Blick in ein Forum weiterhilft. So lässt Jonathan den Spieler ausdrücklich wissen, wie stolz er auf sein neues Handy mit Kamera ist - die darf dann aber nicht benützt werden, auch wenn das Spiel geradezu danach schreit. Nein, statt eines einfachen Fotos muss etwa eine Säule erst mit Tomatensauce bespritzt werden, der Abdruck wird dann mit Zeitungspapier abgenommen und so weiter...

Die meisten anderen Rätsel sind sogar für Genre-Neulinge viel zu einfach und damit absolut langweilig. Davon abgesehen sind Kombinationsrätsel meist sowieso ohne Nachdenken zu lösen - kurzes Herumprobieren reicht völlig aus. Dass der Spieler keine Ahnung hat, warum runde Bodenplatten sich passend einfügen oder ein Lichtstrahl plötzlich richtig gelenkt wird, ist offenbar unwichtig. Hauptsache, das Rätsel ist gelöst.

Also zurück zur Geschichte: Die wirkt arg zusammengestückelt, als hätten die Entwickler erst eine Idee angefangen, doch dann eine andere fortgeführt. Laufend werden neue Figuren und Ideen eingeführt, worum es sich bei dem geheimnisvollen Medaillon des Judas handeln könnte und zu welchem Zweck es geschmiedet wurde. Abgesehen davon ist das Spiel bereits die x-te Umsetzung einer Vatikan-Verschwörungs-Geschichte, die man bereits besser gesehen hat. Eine durchgehend spannende Handlung sucht der Spieler vergebens, auch wenn es ohne Zweifel einige Höhepunkte gibt.

Fazit: "Belief & Betrayal" schwächelt gerade in jenen Disziplinen, die Adventure-Gamer am meisten schätzen: Logische, knackige Rätsel und eine durchgängig spannende Geschichte kann das Spiel leider nur in Ansätzen bieten. Die technische Umsetzung ist zweifelsohne gelungen, besonders die 2D-Hintergründe wissen zu begeistern. Auch die Zwischensequenzen und die interessante Grundidee sowie nette Dialoge sind gut gelungen. Das wahre Highlight und die beste Idee des Spiels wartet übrigens ganz am Ende!

Plattform: PC
Publisher: dtp
Krone.at-Wertung: 72 %

Von Bernadette Geißler

Donnerstag, 17. Juni 2021
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