Blutbad im Irak

Über 100 Tote bei Anschlägen auf Pilger

Ausland
06.03.2007 19:47
Bei Anschlägen auf schiitische Pilger sind im Irak am Dienstag mindestens 112 Menschen getötet und weit mehr als 200 verletzt worden. Das schwerste Attentat ereignete sich nahe der Stadt Hilla südlich von Bagdad, wo zwei Selbstmordattentäter mindestens 77 Menschen mit sich in den Tod rissen und 125 verletzten. Auch in der Hauptstadt und anderen Landesteilen kam es zu neuen Gewaltakten.

Die Selbstmordattentäter von Hilla hatten sich der Polizei zufolge unter Wallfahrer gemischt, die in einem Zelt am Straßenrand Rast machten. Zahlreiche Schiiten sind derzeit auf dem Weg in die für sie heilige Stadt Kerbala, um dort den Feiertag Arbain zu begehen. Schon bei früheren Gelegenheiten kam es bei solchen Feiertagen zu Anschlägen auf Pilger. Die USA und die irakische Regierung sehen darin einen Versuch sunnitischer Extremisten, die Gewalt zwischen den Religionsgruppen anzuheizen.

Auch in und um Bagdad sowie im Norden des Irak wurden schiitische Pilger zum Ziel von Anschlägen. Allein bei der Explosion einer Autobombe im Bezirk Dura im Süden der Hauptstadt, wurden nach Polizeiangaben zwölf Menschen getötet und 23 verletzt.

Neun US-Soldaten getötet
Zugleich registrierten die US-Truppen ihren verlustreichsten Tag seit Beginn der jüngsten Offensive in Bagdad. Beim schwersten der jüngsten Anschläge auf das US-Militär wurden in der Unruheprovinz Salahaddin nördlich Bagdads am Montag sechs Soldaten getötet und drei verletzt, als in der Nähe ihrer Fahrzeuge ein Sprengsatz explodierte. Am selben Tag kamen nach Militärangaben drei weitere US- Soldaten in der Provinz Dijala ebenfalls im Umland der Hauptstadt bei einem ähnlichen Anschlag ums Leben. Einer ihrer Kameraden wurde verletzt.

Irakische und US-Sicherheitskräfte haben vor rund drei Wochen mit einem massiven Truppenaufgebot eine Offensive in der irakischen Hauptstadt begonnen. US-Kommandanten haben vor diesem Hintergrund Befürchtungen geäußert, es könne nun außerhalb der Stadt verstärkt zu Anschlägen kommen. Besondere Sorge bereitet ihnen, dass Rebellen bei Anschlägen vermehrt Sprengsätze verwenden, die eine tödliche Durchschlagskraft entwickeln. Mehrere US-Kommandanten haben dem Iran vorgeworfen, die Bomben stammten aus seiner Produktion.

140 Häftlinge befreit
Bewaffnete stürmten am Dienstag ein Gefängnis in der Stadt Mossul im Nordirak gestürmt und befreiten bis zu 140 Häftlinge. Nach Polizeiangaben handelte es sich um den größten Massenausbruch aus einem Gefängnis seit dem Sturz von Saddam Hussein vor vier Jahren. Dutzende Angreifer hätten kurz nach Sonnenuntergang die Polizei in der Haftanstalt Badush überwältigt. Die irakischen Sicherheitskräfte sahen sich gezwungen, das US-Militär zu Hilfe zu rufen. Unklar ist, ob es zu Gefechten zwischen Angreifern und Polizei kam. Aus dem selben Gefängnis ist zuletzt im Dezember ein Neffe Saddam Husseins ausgebrochen.

Maliki-Sprecher in Wien
Der offizielle Sprecher und Berater des irakischen Ministerpräsidenten Maliki, Abdulkarrem Al-Buchaty, hielt sich unterdessen mit einer Delegation zu Gesprächen über die Verbesserung der Sicherheitslage sowie über den wirtschaftlichen Aufbau in Wien auf. Die Konflikte im Irak hätten ihren Ursprung nicht in religiösen oder ethnischen Spannungen, erklärte Buchaty. Es handle sich dabei um einen reinen Interessenkonflikt. Es gebe Nachbarländer, die ein Interesse daran hätten, die Auseinandersetzungen im Irak zu schüren.

Von Österreich und insbesondere der EU erhoffe sich der Irak Unterstützung, was den Austausch von Informationen, die Ausbildung von Sicherheitskräften sowie die "Trockenlegung der Finanzierungsquellen des Terrorismus" anbelange, so Malikis Wirtschaftsberater Faal Thehib. Die derzeit in Bagdad laufende Sicherheitsoffensive ist aus der Sicht von Thehib sehr erfolgreich.

1,8 Millionen Iraker ins Ausland geflüchtet
Unterdessen teilte die UNO mit, künftig von der jordanischen Hauptstadt Amman aus ihre Bemühungen um die irakischen Flüchtlinge zu koordinieren. Der humanitäre Aspekt des Konflikts im Irak müsse international "klarer und sichtbarer" gemacht werden, erklärte der zuständige UNO-Vertreter John Holmes. Schätzungsweise 1,8 Millionen Iraker haben sich in die Nachbarländer, vor allem Jordanien und Syrien geflüchtet. Eine vergleichbare Zahl gibt es an Binnenflüchtlingen.

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