Bobby McFerrin

Schuster bleib bei deinem Leisten

Bobby McFerrin ist ein charismatisch-liebevoller Hohepriester vokaler Ausdrucksmagie, wie er im ausverkauften Linzer Brucknerhaus erneut unter Beweis stellte. McFerrin entfacht in solistischen Improvisationen mit seiner Wunderstimme außergewöhnliche Stimmung: ein Hochamt klingender Schwingungen!

Es ist nicht nur die staunend machende Stimmakrobatik des Grammy-Preisträgers, sondern eine Art von Transzendenz, von Ungreifbarkeit, die er in den Saal zaubert. Aber leider nur für 15 Minuten, denn vorher und nachher dirigiert McFerrin das Münchner Rundfunkorchester. Er führt Mozarts „Alte Lambacher“-Sinfonie zu einem zwar leichtfüßigen Spaziergang aus, der sich aber in kultivierter Fadesse bewegt. Kaum anders im G-Dur Violinkonzert KV 216, wenn nicht die junge Edelgeigerin Mirijam Contzen eklatantes Klangvermögen entgegengestellt hätte. Und Bizets 1. Sinfonie geriet dann einfach nur mehr zu einer kleinatmigen, dafür gehörigen Wackelpartie.

Bobby McFerrin hat sich den Habitus eines schlechten Mittelklassedirigenten angelegt, der dabei wenigstens nicht aggressiv ist. Alleine mit seiner Stimme vermag er unglaubliche Stimmung zu erzeugen, als Dirigent bewegt er sich unter „ferner liefen“. Fazit: Schuster bleib bei deinem ohnehin phänomenalen Leisten!

 

Foto: grox

Montag, 21. Juni 2021
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