27.02.2007 19:32 |

Rippenbrüche

67-jährige Räuberin quälte 86-jähriges Opfer

Adrett im schwarzen Jäckchen, die Hände gefaltet, das weiße Haar mit einem Reifen zusammengehalten - so sitzt die Angeklagte vor dem Richter, und man merkt: Das Milieu ist ihr fremd. Die 67-jährige verwitwete Schneidermeisterin ist zum ersten Mal angeklagt - dafür aber gleich wegen eines brutalen Raubüberfalles.

Gerlinde V. lebte in einem gutbürgerlichen Milieu. Mit dem Sohn teilte sie eine Wohnung, und man machte gemeinsame Kassa. Es reichte für das tägliche Leben, nicht aber für die geheime Leidenschaft der Frau: dem Automatenspiel! So suchte sie nach einem Opfer für einen Raubüberfall, ist Staatsanwalt Peter Losert überzeugt.

Und fand es - bei einem Damenkränzchen in einem Wiener Innenstadtkaffee, in Person einer 86-jährigen vermögenden Schweizerin. Am 12. Juli 2006 bei einem Besuch in der Wohnung der Frau passiert es. "Ich bin ausgeflippt", sagt sie. Doch das ist nur eine hohle Worthülse angesichts dessen, was dann geschah.

67-Jährige stürzt sich auf Opfer
Gerlinde V. stürzt sich auf die 86-Jährige, würgt sie, schlägt mit einem Brieföffner zu. Das Opfer schreit fast eine halbe Stunde um Hilfe, Nachbarn läuten. Gerlinde V. schickt diese wieder weg und versucht dem Opfer einen Plastiksack über den Kopf zu ziehen. Schließlich lässt sie von der Frau, die Rippenbrüche erlitten hat, ab. Sie kassiert 500 Euro und geht.

Eine Räuberin will Gerlinde V. aber nicht sein. Vielmehr versucht sie Richter Wolfgang Fahrner einzureden, dass sie die 500 Euro wieder zurückgeben wollte. Doch das glaubt ihr niemand. Das rechtskräftige Urteil: acht Jahre Haft.

Von Peter Grotter

Freitag, 07. Mai 2021
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